Komasaufen, früher
Nikotineinstieg, Drogenkonsum! Sieht so unsere
heutige Jugend aus? Fettleibigkeit, Konzentrationsschwäche und Sprachverkümmerung, auf "short
message" sich beschränkendes Mitteilungsbedürfnis? Durch Medienkonsum wie Fernsehen und Internet, in denen Gewaltvideos,
Pornosendungen in etablierten Sportkanälen und Darstellung von Perversionen eine
ungeahnte öffentliche Plattform gefunden haben. Zur Verblödung führende
Fernsehsehsendungen, mit nervigen ( u.U. epilepsieauslösenden) Blitzfolgen in
Reklamespots gespickt, so dass kaum mehr ein vernünftiges Verfolgen einer
Sendung mehr gelingt. Das unbegrenzte Internet als unkontrollierte Steigerung
all dieser bedenklichen Entwicklungen!
Verdummt , verroht und
unsozial? Die Konzentrationsschwäche als "soft sign" einer ganzen
Generation.
Wortgestammel - trotz exponentiell gestiegener logopädischer und
ergotherapeutischer Heilbehandlungen- wie "cool", "super", "geil", beherrschen
die Umgangssprache, federführend in Boulevard-Zeitschriften
vorgegeben.
Wie soll für diese schlecht ausgebildete, ungebildete Gesellschaftsgruppe jemals Aussicht bestehen, sich in ein normales nach Normen geregeltes bürgerliches Leben einzugliedern? Wer soll solche Jugendliche in ein funktionierendes Arbeitsleben aufnehmen, welches zunehmend Kreativität verlangt? Sind da nicht jegliche Anstrengungen, allen Jugendlichen eine Arbeitsstelle zu vermitteln vergebene Liebesmühe? Sind da nicht politische Zielforderungen, allen Schulabgängern eine gleiche Chance zu geben, von vorneherein nicht fade Lippenbekenntnisse? Und wie wird die Schule verlassen!? Ist der Quali der Hauptschule nicht das Mindestmaß an absolvierter Schulausbildung, stellt nicht die Berufsschulausbildung das niedrigste Niveau dar, ein Berufsleben zu beginnen? Was geschieht mit den Absolventen der lerngestörten, verhaltensgestörten Schuleinrichtungen, was geschieht mit den sozial benachteiligten Ausländerjugendlichen, die allein gelassen sind und zuallerletzt was passiert mit den behinderten Jugendlichen, die einmal im Berufsleben integriert werden sollen? Im Grunde ein Szenario, welches nur Depression und Resignation hervorrufen kann.
Was tun? Eigermaßen lösbar wird diese Konstellation nur, wenn die soziale und emotionale Kompetenz in den Familien noch stimmt, wenn Erziehungs- und Vorbildfunktionen noch funktionieren. Selbst eine Trennung der Eltern, heute ja in hohem Prozentsatz der Fall, kann durch vermehrten Einsatz der verbleibenden Bezugsperson noch aufgefangen werden, wenngleich auch hier schon Risikofaktoren einer gestörten Entwicklung sich anbahnen. Vermittelt die Familie noch die Werte, die unumgänglich sind, um soziale und emotionale Stabilität und Kompetenz zu erlangen? Denn in den ersten drei Lebensjahren werden die Grundsäulen einer sich später intakten und harmonischen Persönlichkeitsstruktur gelegt.
Die häufig zu beobachtenden Defizite einer sozialen Kompetenz, die nur in einer intakten Familie sich bilden kann, werden hineingetragen in die Schule, die fortan neben der sowieso schon immer umstrittenen Wissensvermittlung (ein Lehrplan jagt den anderen!) die schwere Aufgabe zusätzlich aufgehalst bekommt, die sozialen Probleme der Schüler zu meistern. Der Lehrerberuf ist zunehmend ein sozialpädagogischer Auftrag geworden; zusammen mit den hohen Klassenzahlen in den deutschen Schulen eine Aufgabe, bei der im besten Fall die Wissensvermittlung zu kurz kommen muss. Unvermeidbare Folge: Der für dieses Problemfeld ungenügend ausgebildete Lehrer ist hoffnungslos überfordert, muss an dieser Aufgabe scheitern und findet sich als "burn out" Frühpensionär im Schoß der - in dieser Form bald nicht mehr finanzierbaren - Beamtenpension wieder, um sich nicht selten auf Staatskosten dann lohnenderen Beschäftigungen zuzuwenden. Wobei darüber hinaus ein unguter Effekt zu beanstanden ist: Der frühe beamtete Schulaussteiger erhält eine vergleichsweise günstigere Pension als derjenige Beamte, der bis zur Pensionsgrenze durchhält. Also Missstände auch in diesem Sektor, zumal das Absenken der Pensionsbezüge für die zukunftigen Pensionäre ja erst beginnt.
Ein Teufelskreis beginnt sich zu entwickeln: Frustrierte Lehrer spüren den Druck von oben, den teils unberechtigten Druck von Seiten der Eltern, die zu gerne die Veranwortung auf die Schule abwälzen, und sind hilflos dem passiven Druck (wie schulische Wurschtigleit, Hausaufgabenverweigerung u.ä.) aus der Schülerschaft ausgeliefert. Bei notwendigen pädagogischen Erziehungsmaßnahmen wird der Lehrer alleingelassen, die stärkeren Bataillone (Eltern, Rechtsanwalt) stehen hinter dem Schüler. Beim konsequenten pädagogischen Handeln wird dem Lehrer keine sichere Vollmacht ausgestellt, die notwendig ist, um ein gutes und notwendiges Lernziel zu erreichen . Schule schwänzen ist heute an der Tagesordnung.
Unter dem Druck der Pisa- Studie werden flugs neue Richtlinien verfasst, das Eintrittsalter der kommenden Schüler herabgesetzt, an neuen Lehrplänen herumgebastelt. Die Richtlinien kommen wie immer von oben, wo die Theoretiker sitzen, die nicht vorbereitete Basis der Lehrer muss versuchen das umzusetzen, was schon jetzt eine Sisiphus- Arbeit darstellt. Die Zeitspanne der Einschulungszeit variiert inzwischen zwischen 5 und 7 Jahren, die soziale und intellektuelle Fähigkeiten klaffen natürlicherweise weit auseinander. Der Lehrer muss diesen verschiedenen Bildungsstand Rechnung tragen: er wird konfrontiert mit Schülern, die Sprache und die Schrift mühsam erlernen müssen, während in der Gruppe nebenan die Kinder bereits lesen, schreiben und rechnen können. Von den zu integrierenden schulbehinderten Schülern ganz zu schweigen. Das ist so ziemlich ein unlösbares Problem. Kinder werden überfordert und unterfordert, Lehrer sind überfordert, Eltern unzufrieden. Die öffentlich rechtliche Schule kann dieser Aufgabe nur mit bester Ausbildung seiner Lehrer einigermaßen gerecht werden. Fatal und problemverschärfend wirken sich da Sparmaßnahmen aus.
Jeder von uns kennt doch das genervte Aufseufzen der Eltern gegen Ende der großen Sommerferien hin: das Herumhängen der Kinder, das sich Langweilen in der Familie und das Fordern nach aktiven Beschäftigungen, ja fast schon ein Sehnen nach (Haus) Aufgaben, die gestellt und erledigt werden müssen. In dieser Phase erscheint die Schule attraktiv und abwechslungsreich, die Motivation zu lernen ist da. Leider verpufft dieser Effekt allzu schnell wieder, wenn Hausaufgaben, Leistungsanforderungen und in deren Gefolge Schulnoten anstellen. Trotzdem muss oberstes Ziel sein: die Freude am Lernen, die Wissbegierde und die Neugierde der Kinder am Leben zu erhalten.
Ja, am Leistungswillen hapert es zunehmend. Die Kinder haben keine Lust sich anzustrengen, konzentriert zu arbeiten. Zu bequem stellen sich die Alternativen dar, die minderwertige Schulausbildung anzupeilen, die kein so großes Sitzfleisch erfordert. Und da es vielen Schülern materiell gut geht, ihre Ziele wie Handy, Rollerblades, Mountain bike und Klamotten in der Regel in der Familie angeboten werden, fehlt die Motivation durch Leistung diese zu erarbeiten und zu verdienen völlig weg. Auch die Philosophie der Eltern: Mein Kind soll es mal besser haben als ich ( wie es in früheren Generationen der Fall war) und ihm eine gute Ausbildung zukommen zu lassen, ist verloren gegangen. Die heutige Eltern- Generation hat ein gutes Auskommen, wenn nicht gerade die Arbeitslosigkeit droht. Aber auch wenn diese eingetreten ist, wird Resignation, Verbitterung und Ablehnen politischer Verhältnisse eher die Regel sein, als den Ansporn an den Nachwuchs weiterzugeben, durch gute Ausbildung nicht das gleiche Schicksal erleiden zu müssen.
Um soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten, muss die
gesellschaftliche Integration in den Kinderkrippen, spätestens im Kindergarten
beginnen. An der Wurzel der frühkindlichen Lernentwicklung muss angesetzt
werden. Über das Spielverhalten, das Erlernen der sozialen Kompetenz muss nach
und nach Wissen und Lernen gefördert werden. Der Wissensdurst des 4- Jährigen
sollte intensiv angebahnt, ein Lernverhalten in dieser aufnahmebereiten Zeit
aufgebaut werden. Um diese Aufgabe zu meistern, bedarf es auch einer höheren
beruflichen Qualifizierung der Erzieher/Innen, die im Grunde dem Lehrerberuf an Qualität in der
Ausbildung nicht nachstehen darf.
D.h. Lern- und Ausbildungs- Chancen müssen so
früh wie möglich einsetzen, sodass auch Kinder sozial schwächerer Familien nicht
von vorneherein benachteiligt sind.
31.7.04