Gedanken zur MMR- ImpfungDie in Deutschland immer noch ungenügende Durchimpfung der Kinder mit dem MMR- Lebend-Impfstoff erfordert ein Umdenken bzw Überdenken der bisherigen Strategie der Impfärzte und hier besonders der Kinder- und Jugendärzte. Die Warnung der Ärzte vor möglichen Komplikationen der durch die Impfung vermeidbaren Erkrankungen verfehlt Ihre Wirkung und erscheint kein geeignetes Mittel mehr zu sein, das Ziel der Impfrate auf 90 % anzuheben, die notwendig wäre, um beispielsweise die Masern in Deutschland zu eliminieren. Zu sehr sind die schweren Komplikationen einer Maserninfektion, einer Mumpsinfektion- und Rötelnmissbildungen bei ungeborenen Babies aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Wen wunderts auch, wenn selbst junge Mediziner diese Krankheitsbilder nicht mehr kennen. Es verhält sich wohl ähnlich wie mit dem Nikotinkonsum. Selbst Todesdrohungen, fett auf der Packung angebracht, vermögen keine (präventiv) abschreckende Wirkung mehr zu entwickeln. Zumal jeder ja weiß, dass dieser und jener Doktor dem gleichen Übel verfallen ist. Deswegen ist die finanzielle Hürde durch ansteigende Verteuerung der Schachtel Zigaretten ein begehbarer Weg. Ein anderer wäre, durch vermehrtes Heranziehen höherer Krankenkassenbeiträgen den Zigarettenkonsum zu kanalisieren und letzlich auch medizinisch die daraus resultierenden Spätfolgen zu finanzieren. Der Umweg über den Griff in den Geldbeutel scheint somit legitim, noch besser wäre aber eine überzeugende Strategie, vom Zigarettenkonsum Abstand zu nehmen: als Ziel einer gesunden und bewussten Lebenseinstellung. Auf Impfungen angewandt hieße das: Impfunwillige Eltern zu bestrafen beispielsweise durch Erhöhung von Krankenkassenbeiträgen, durch restriktive Auswahlverfahren zum Zugang zu Kinderkrippen oder Kindergärten. Impfwillige Eltern hingegen zu belohnen, durch einen Bonus auf Krankenkassenbeiträge, erleichterten Anspruch auf Kinderkrippen- bzw Kindergartenbesuch. Passen wir uns also dem Bonussystem an, der beispielsweise an vielen Tankstellen in Deutschland erfolgreich praktiziert wird. Eine bestimmte Anzahl aufgeklebter Swops berechtigt zum Erwerb eines kleinen Geschenkes. Der zeitgerecht und vollständige Impfkalender, vorgelegt bei der U7, spätestens bei der U8 (mit etwas abgemildeter Belohnung), berechtigt zum beliebten Buch, Stofftier, Fahrradhelm o.ä. und würde Arzt, Patienten und Eltern erfreuen. Erfahrungsgemäß sind es ja gerade die differenzierten (manchmal aber auch leider recht beschränkten) Eltern, die argumentativ und informativ viele Gründe hervorbringen, die vermeintlich gegen Impfungen wie beispielsweise der MMR sprechen. Kein Wunder: Zu lange dauert der Vorlauf bis zur seriösen und richtigen Informationsquelle beim (Impf) Kinderarzt. Sind es doch meist 10 Monate hin, bis der Kinder- und Jugendarzt seine Impfargumente hervorbringen kann. Bis dahin sind falsche und desinformierende Einflüsterungen von außen beispielsweise in der Schwangerengymnastik, Hebammenbetreuung und von Freund/Innen bis hin zum inzwischen doch weitverbreiteten Internet Tür und Tor geöffnet. Desinformationen verfestigen sich und führen nach und nach zur prägenden Meinungsbildung. Beim ersten Kinderarzt-Besuch haben bereits viele Eltern eine vorgefertigte Meinung, die aller ärztlichen Überzeugungsarbeit bezüglich der durchzuführenden Impfungen trotzt. Im übrigen ist dieser Trend der Bonusvergabe nicht mehr neu, viele BKK’s, auch Ersatzkassen verteilen bereits kleine Bonushefte für vollständiges Impfen, für zeitgerecht durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen. Nähern wir uns also dem Prämiensystem beispielsweise der Autoversicherungen? Also keine freie Fahr mehr für freie Bürger, sondern verantwortungsvolles Handeln in einer im Moment auf dem Prüfstand stehenden Gesellschaft? Ist das denn nicht endlich angebracht? Dicke werden nicht mehr verbeamtet (in Bayern bereits Realität), Rauchverbote in öffentlichen Institutionen, Verkehrsmitteln und auch Gaststätten schränken den Nikotinkonsum ein. Geschwindigkeitsgebote müssen folgen, zu indolent werden immer noch 6618 Tote im Jahre 2003 ( vorwiegend zwischen 15 und 40 Jahre alt) im Straßenverkehr geduldet, wenngleich triumphierend von der geringsten Todesrate seit Einführen der Verkehrsstatistik im Jahre 1953 berichtet wird. Ja, auch auf diesem uns Kinder- und Jugendärzten betreffenden medizinischen Gebiet muss ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Dieser pseudo- individualistische Weg der bisher gehandhabten Kinderprävention bezüglich Impfungen ist grotesk und gefährdet unnötigerweise das gesundheitliche Wohl unserer Kinder, die eines Tages unsere Zukunft sein werden. 25.4.2004 |