Gesundheitsreform!?Vorneweg: Sehr erfreulich für unseren Berufzweig: wir Kinder-
und Jugendärzte müssen keine Praxisgebühr erheben. Aber wer weiß,
wie lange dieses angenehme Privileg noch Bestand haben wird.
Die jetzt eingetretenen Veränderungen sind noch unausgegoren, eine echte Reform
ist aus diesen Neuerungen noch nicht zu ersehen. Im Moment geht alles noch zu Lasten des Patienten.Trotzdem wurde wenigstens ein Versuch gemacht, den exorbitanten Anstieg des Arzneimittelverbrauchs in der deutschen Bevölkerung einzudämmen. Aber mit welchen abstrusen und für den Laien unverständlichen Mitteln: Da ist zum Einen die neue Verordnung, dass apothekenpflichtige Mittel -will heißen- nicht vom Arzt rezeptierpflichtige Arzneimittel von Jugendlichen ab 12 Jahren selbst bezahlt werden müssen, es sei denn, diese Patienten sind entwicklungsgestört. Wobei die Entwicklungsstörung noch nicht exakt definiert ist: Vom schwerbehinderten Rollstuhlfahrer bis zum schwerdiagnostierbaren Legastheniker reicht die mögliche Palette eines kostenfreien Bezugs der rezeptfreien Medikamente. Hier wird man noch eine genauere Definition einer "Entwicklungsverzögerung" erwarten dürfen. Bei allen Ungereimtheiten dieser Neuerungen ist das ja irgendwo noch verständlich. Will man doch endlich den Verbrauch der fragwürdig wirkenden Medikamente Einhalt gebieten. Wobei man gesundheitspolitisch beim 13-jährigen Patienten das Ibuprofen und das Paracetamol durchaus noch rezeptpflichtig hätte lassen können, zumal diese Medikamente kaum kostenträchtig sind. Aber die ganze Palette der Rachentherapeutika ist zu Recht aus der Erstattungspflicht genommen worden, die Antitussiva (Hustenmittel) vermissen wohl die Patienten schmerzlich, da sie es so gewohnt waren. Aus ärztlicher Sicht sind aber auch diese Mittel in der Regel entbehrlich, noch mehr gilt dies für Vitaminpräparate, fragwürdigen Immunstimulantien, die aber in dieser Altersgruppe fast nie verschrieben wurden. Da die Jugendlichen in diesem Alter erfreulicherweise gesund sind, wird mit diesen neuen Maßnahmen nur Ärger produziert, eine spürbare Ausgabenminderung im Medikamentenbereich tritt nicht ein.
Nun kommen wir zu den rezeptpflichtigen Mitteln, die der Arzt als
notwendige Therapie aufschreibt. Und da stoßen wir auf ein gänzlich unverständliches
Phänomen: Und noch was, in eigener Sache! Laut Deutschem Ärzteblatt vom 13.Februar 2004: Die Verordnungen rezeptfreier Arzneimittel zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung sind im Januar gegenüber dem Vormonat um rund 70 Prozent zurückgegangen (Hamstereffekt im Dezember 03?, Anmerkung des Autors). Die Verbraucher haben hingegen nur 4 Prozent mehr rezeptfreie Präparate selbst gekauft. Im Jahre 2003 wurde noch etwa jedes dritte Arzneimittel per Rezept zu Lasten der Krankenkassen verordnet, im Januar nur noch 13 Prozent. Würde einen ja optimistisch stimmen! siehe Datenbank der rezeptfreien Arzneimittel, Preisvergleich
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