Streptokokken der Gruppe A


Tuberkulose; Malaria | Streptokokken |


s. auch unter Bildergalerie

Wissenschaftlich gesehen gibt es also durchaus zwei Seiten der Medaille "Antibiotikum", wobei die Kehrseite insbesondere die Entwicklung von Resistenzen meistens durch zu häufigen und chronischen Gebrauch der Antibiotika darstellt. Das ist inzwischen auch allgemeines Wissensgut gut informierter Patienten. Wie oft hören wir Ausdrücke wie "schweres Geschütz", mit "Kanonen auf Spatzen schießen" oder Antibiotika als "Keule" oder "Hammer". Trotz dieser nicht immer unberechtigten Vorbehalte ist der Einsatz von Antibiotika natürlich oft notwendig. Das Entscheidende ist dabei, dass diese zur rechten Zeit eingesetzt, gezielt angewandt und ausreichend dosiert sowie zeitlich korrekt verabreicht werden. Eigentlich gibt es nur richtig eingesetzte oder falsch eingesetzte Antibiotika. Es gibt keine "Hämmer" oder "Kanonen" und auch keine "Antibiotika light", wie verdummenderweise manche Firma ihre Produkte anpreist.

Ein Beispiel: Für eine Streptokokkeninfektion des Kindes ist in den allermeisten Fällen ein ganz "schmalspuriges Antibiotikum", nämlich das alte ehrwürdige Penizillin V ausreichend und sehr gut wirksam. Und obwohl wir Kinderärzte es häufig verordnen, da Streptokokken-Infektionen ( = ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) im Kindesalter seit Jahren häufig auftreten, haben sich noch keine Resistenzen gegen Penizillin entwickelt. Natürlich gibt es auch hier in seltenen Fällen Therapieversager, aber den Grund dafür kennen wir genau: Von anderen Keimen im Rachenraum wird ein Ferment " ß-Lactamase" produziert, welches die A-Streptokokken vor Penizillin schützen. Hier bedarf es dann eines anderen, meist "breiter" wirkenden Antibiotikums. Auch gibt es immer wiederkehrende Streptokokkeninfektionen, die nur noch durch die operative Entfernung der Mandeln vermieden werden können. Im übrigen: Penizillin vernichtet die Bakterien innerhalb von 24 Stunden, so dass streng genommen nach dieser Zeit keine Ansteckungsgefahr mehr besteht!

Noch einmal zur Verdeutlichung:

Die ß- hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A  können folgende Krankheiten hervorrufen: den Scharlach, der gekennzeichnet ist durch eine sogenannte (Scharlach) Angina, genauer einer Pharyngo-Tonsillitis (=Entzündung des Rachen- und Gaumenmandelbereiches), einem feintüpfeligen, samtartenen Hautausschlag, der besonders im Leistenbereich hervortritt (s. Bild), Scharlachexanthem hohem Fieber, blassem Munddreieck und einer Himbeerzunge. Nicht immer sind alle Anzeichen anzutreffen. Der Ausschlag, die angina mit Nachweis der ß- hämolysierenden Streptokokken sowie Fieber sind beim Scharlach meist vorhanden. Häufig ist man überrascht, dass das Krankheitsbild manchmal nicht schlimmer ausfällt als die  Streptokokkenangina, auch etwas ungenau Scharlachangina genannt, die Fieber, Halsschmerzen insbesondere Schmerzen beim Schlucken verursacht. Dann gibt es noch die Streptokokkenträger , das sind diejenigen Kinder, die gesund sind, aber bei einem Rachenabstrich einen positiven Streptokokken-Test zeigen. Bei den erstgenannten beiden Gruppen gibt man in der Regel 10 Tage Penizillin, die letztgenannte Gruppe der Keimträger werden -da gesund- nicht behandelt. Aber auch bei letzterer Gruppe ist die Gefahr einer Ansteckungsmöglichkeit von Kontaktpersonen nicht auszuschließen. Hier beginnt aber schon eine auch unter Medizinern noch nicht abgeschlossene Diskussion. Streptokokken Auch Hautinfektionen durch ß- hämolysierende Streptokokken sind häufig, meist im Gesichtsbereich (s. Bild), aber auch an anderen Körperregionen oder auch an Schleimhäuten (z.B.Scheide). Hartnäckige Nagel- und Fußbettentzündungen sind häufig mit Streptokokken infiziert und bedürfen zur endgültigen Heilung dann doch Penizillin.

In Gemeinschaftseinrichtungen, Heimen und natürlich in den Familien kommt es oft zu gehäuften Auftreten dieser hartnäckigen Infektion. Und wie immer kann es auch Erwachsene treffen, die sich bei ihren Kindern anstecken und mitunter sehr ernst erkranken können. Nur die Kleinsten bleiben in der Familie verschont. Streptokokkeninfektionen im Säuglingsalter bleiben erfreulicherweise nach wie vor eine Rarität.

Natürlich werden wir Ärzte immer wieder konfrontiert mit der Frage: Muss denn jede Streptokokkeninfektion immer antibiotisch behandelt werden? Noch bejahen wir bei kranken Kindern diese Frage, da wir noch in Erinnerung haben, welche fatalen Komplikationen ( Herz, Nieren, Knochen und Gelenke ) diese Erreger verursachen können.