Kinderunfälle in Industrieländern


Unfälle sind mit einem Anteil von 40 % die häufigste Todesursache von Kindern in den reichen Ländern. Nach Angaben von UNICEF stehen an oberster Stelle Todesfälle im Straßenverkehr (40 %), gefolgt von Ertrinken, körperlichen Angriffen, Feuer, Stürzen und Vergiftungen. Mehr als 20 000 Kinder unter 14 Jahren sterben an vermeidbaren Unfallverletzungen.

12 000 Kinder könnten gerettet werden, wenn alle Länder eine so niedrige Todesrate erreichten wie Schweden. Schweden gilt als das unfallsicherste Land, gefolgt von Großbritannien, Italien und den Niederlanden. Deutschland nimmt hierbei den 10. Platz in der Rangfolge der sichersten Staaten ein- allein die Zahl der durch Ertrinken gestorbenen Kinder liegt um das Dreifache höher als in Italien. Übernähme Deutschland die Sicherheitsstandards von Schweden, könnten pro Jahr 400 Todesfälle vermieden werden, europaweit (EU-weit) könnten es 1 600 sein. Schlusslicht bilden die USA, Portugal und Südkorea.

Süddeutsche Zeitung vom 7.02.2001


Autotransplantation: Reparatur am Herzen ohne Körper

Ein menschliches Herz außerhalb des Körpers reparieren und dann wieder einpflanzen! Dieses Autotransplantation genannte Verfahren wurde bei einer mit Herztumoren erkrankten Frau durchgeführt. Dabei wird das Herz aus dem Körper herausgeschnitten, sozusagen in vitro bzw "bench surgery" = "Tischchirurgie" die krankhaften Veränderungen beseitigt oder mit Rinderherzgewebe ersetzt und wieder in den Körper eingepflanzt. Mitte der 80- er Jahre wurde erstmals in den USA eine solche Operation gewagt, weltweit sind etwa 50 derartige Operationen durchgeführt worden. Auch in Deutschland sind 5-6 solcher Operationen bekannt geworden. Nicht nur das Herz, auch alle übrigen inneren Organe können auf diese Weise operiert werden.


Ebola- Virus! Ebola- Opfer!

Die rätselhafte, sehr infektiöse und hochakut verlaufende Tropenkrankheit brach erneut in Afrka, in einem entlegenen Rebellengebiet im Norden Ugandas aus. Von 50 bis 100 Toten wird berichtet, und mit doppelt so viele Infizierten rechnet man. Auch Pflegepersonal aus einem Krankenhaus sind bei dieser Epidemie umgekommen.

Wahrscheinlich ist der Überträger dieses Killervirus eine Spinne, Ratte, Fledermaus, vielleicht wie im Falle der Malaria- Infektion auch eine Mücke.

Das Virus ist besonders aggressiv, lediglich etwa 20- 30 Prozent der Infizierten werden nicht krank. Der überwiegende Teil der Erkrankten stirbt an den Symptomen wie hohes Fieber, blutigen Durchfällen mit Haut- und Organblutungen. Die Infektion einzudämmen gelingt durch einfache Hygiene- Maßnahmen wie das Tragen von Handschuhen, von Mundschutz und dem schnellen Begraben der Opfer! - Rituelle Beerdigungen mit gemeinsamen Waschen der Leichen und anschließendem Reinigen der Hände in einer einzigen Schüssel sowie dem hinterher gemeinsam begangenen Leichenschmaus begünstigen das explosionsweise Fortschreiten der Seuche.
Das Virus befällt - ähnlich wie das AIDS-Virus - das Immunsystem, schwächt dieses akut und befällt bevorzugt die Zellen, die die Innenwand der Gefäße bilden. Durch Schädigung dieser Zellen kommt es zu den meist tödlich verlaufenden Blutungen.

Und trotzdem: Etwa 1 100 Ebola- Toten stehen zig-Millionen Aids-Toten gegenüber!

26.3.2001: abschließender Bericht des Robert- Koch- Institus,  Epidem. Builletin Nr.12.

Ende Februar 2001 wird der bisher größte Ausbruch von Ebola- Fieber in Uganda als beendet erklärt. Die schweren Erkrankungen begannen im August letzten Jahres. Es kam zu 425 Erkrankungsfällen, von denen 224 tödlich endeten ( 53% Mortalität, welche gegenüber anderen Ausbrüchen noch als günstig zu sehen ist).

Die meisten Fälle traten im sogenannten Gulu- Distrikt auf, aber selbst mehrere Hundert km entfernt traten vereinzelt durch Personen übertragen weitere Fälle auf. Die Übertragung erfolgte durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch.

Tragischerweise gab es auch viele Opfer unter dem medizinischen Personal: Es traten 26 Erkrankungsfälle auf, von denen 15 tödlich endeten. Unter den Erkrankten, die nicht überlebten, war auch der leitende Arzt des St. Mary's Hospital in Lacor, District Gulu, Dr. Matthew Lukwiya, der Arzt, der den Ausbruch entdeckt und die ersten Hilfsmaßnahmen organisiert hatte.


"plötzlicher Kindstod"

Und noch eine aufsehenderregende Meldung tickert in den Medien: Englische/Irische Forscher haben herausgefunden, dass bei Kindern, die am "plötzlichen Kindstod" verstorben sind, autoptisch das bakterium helicobakter pylori gefunden wurde. Dieses ist vornehmlich bei Magenerkrankungen, bei der Entstehung des Magengeschwürs beispielsweise bei Erwachsenen, als auslösendes Agens verantwortlich. Bei Kindern spielt dieses Bakterium bei hartnäckigen Bauchschmerzen durchaus eine Rolle. Die häufig vorkommenden Bauchschmerzen im Kindesalter sind aber nur sehr selten hinweisend auf eine helikobakter- pylori-Infektion. Im Moment wird die Bedeutung dieser Infektion bei Kindern auf ihre Bedeutung eher relativiert.

In jüngster Zeit meinen Forscher des Göttinger Instituts für Rechtsmedizin, dass Botulismus- Erreger ursächlich für den plötzlichen Kindstod mitverantwortlich sein könnten. Bei etwa 50 Prozent der obduzierten Kinder wurden die Botulismus -Erreger im Stuhl gefunden. Außerdem wurden bei Untersuchungen in einer Kinderarztpraxis herausgefunden, dass jedes 5. gesunde Kind diese Erreger im Stuhl aufwies, also das Botulismus- Gift sehr viel verbreiteter ist als bisher angenommen wurde.

Diese Theorien werden Anlass sein, dass Heerscharen von Wissenschaftlern diesen neuen Untersuchungen bei der Entstehung des sogen. "plötzlichen Kindstodes" nachgehen werden, sie widerlegen oder bestätigen werden wollen. - Auch hier wird man in Ruhe abwarten können. In meinen Augen Thesen, die bald relativiert werden.

Trotzdem wissen wir sehr wohl, dass ganz harmlose Bakterien, die z.B. in den mütterlichen Geburtswegen ein normales Dasein fristen, urplötzlich beim Neugeborenen einen akut lebensbedrohenden Charakter annehmen können( z.B. Streptokokken der Gruppe B).


BSE - Creutzfeld- Jakob-Erkrankung

Erneut ist das Problem BSE und Creutzfeld- Jakob- Erkrankung in die Schlagzeilen geraten. In Großbritannien sind am Wochenende zwei neue Todesfälle bekanntgeworden: ein 14- jähriges Mädchen und ein 74- jähriger Mann starben an der Folgen der menschlichen Variante der Rinderseuche BSE. Bekannt geworden ist auch, dass in England 7 Personen, die später an dieser Erkrankung litten, vorher Blut gespendet haben. Es ist nicht auszuschließen, dass eine Übertragung auch über das Blut möglich ist. Professor Hans Kretzschmar, Professor für Neuropathologie an der Ludwig- Maximilians- Universität in München mahnt zur Vorsicht bei Blutspendern, die längere Zeit in England gelebt haben.

Die Krankheit kann im Blut nicht nachgewiesen werden, der Nachweis gelingt lediglich über eine Autopsie.

10.11.2000: In Frankreich sind über 90 neue Fälle von BSE- erkrankten Rindern bekanntgeworden. Erneut wird eine eindeutige Kennzeichnung des von Großbritanniens kommenden Rindfleisches in allen europäischen Ländern gefordert. In Frankreich und Deutschland besteht Kennzeichnungspflicht, in mehreren europäischen Ländern nicht. Also kann nicht- gekennzeichnetes britisches Rindfleisch auch nach Deutschland und Frankreich importiert werden.

BSE- Fälle in Europa

  • Großbritannien: insgesamt 167 253   >    1315 (im Jahre 2000)
  • Irland: 510   >    93
  • Portugal: 452   >    99
  • Schweiz: 360   >    28
  • Frankreich: 177   >    97
  • Belgien: 15   >    6
  • Deutschland: 6   >    15 - 20 (inzwischen- Stand 25.1.01)
  • Niederlande: 6   >    0
  • Dänemark: 2   >   1
  • Italien: 1   >    0
  • Luxemburg: 1  >    0

süddeutsche Zeitung vom 11.11.2000

Die Folgen heute schon: Bauern fürchten um ihre Existenz, es wird kein Rindfleisch mehr gekauft! 25.11.2000: Die in Deutschland jetzt jüngst aufgetretenen BSE- Fälle bei in Deutschland geborenen Kälbern hat auch die Politik auf den Plan gerufen. Im Gespräch ist das Verfütterungsverbot von Tiermehl an Rinder! - inzwischen erfolgt Warum eigentlich nicht ein generelles Verbot dieses Futters? Ist es nicht denkbar oder sogar wahrscheinlich, dass die Infektionskette von verfüttertem Tiermehl nicht auf Rinder beschränkt bleibt? - auch das wird inzwischen gefordert

Ab dem 2.12.2000 wurde von der Regierung das Verbot der Tiermehlverfütterung ausgesprochen. Ausgeweitet wird dieses Fütterungsverbot nicht nur auf Rinder, Ziegen und Schafe sondern auch auf Geflügel, Schweine und Menschen. Ab nächster Woche (6. Dezember 2000) werden alle Rinder, die 30 Monate alt sind, einem BSE- Test unterzogen. Ein Importverbot britischen Rindfleisches wird von der Bundesregierung vorerst im europäischen Alleingang angestrebt.

Im neuen Jahr kommen wöchentlich in deutschen Bauernhöfen neue BSE- Fälle hinzu, die Schätzungen für dieses Jahr belaufen sich auf etwa 200 bis 400 Erkrankungen. Minister und Ministerinnen sind zurückgetreten, die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß. Ein tiefes Misstrauen macht sich bezüglich der Massentierhaltung breit. Auch bei der Schweineaufzucht wurden skandalöse Informationen bekannt. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei der Geflügelhaltung unangenehme Wahrheiten zu Tage treten. Denn Massentierhaltung bringt immer die große Gefahr von Infektionen und ansteckenden Krankheiten mit sich, die dann flächendeckend mit Antibiotika o.ä. behandelt werden müssen.

Zusätzliche Informationen über BSE z.B. im Epidemiologischen Bulletin des Robert- Koch-Instituts