Kariesprophylaxe im Kindesalter
Durch neue Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
(DGZMK) bezüglich der Kariesprophylaxe
ist eine Verunsicherung in der Elternschaft und auch in den Kinderarztpraxen aufgetreten.
Die Kinderärzte halten weiterhin an der im Jahre 1996 mit den Zahnärzten gemeinsamen Empfehlung fest, wonach
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generell fluoriertes Speisesalz verwendet werden soll
- Kinder in den ersten 3 Lebensjahren zusätzlich 0,25 mg Fluorid/täglich in Form von Tabletten bzw im Säuglingsalter die Kombination
von 0,25 mg Fluorid mit 400 bzw 500 E Vit D in Kombination erhalten sollen
- Zahnpasta erst verwendet werden soll, wenn die Kinder sie zuverlässig herausspucken
können (und nicht hinunterschlucken).
Dies ist in der Regel erst ab dem dritten Lebensjahr gegeben.
- zweimaliges Zähneputzen mit einer fluoridierten Zahnpasta (Fluorid- Anteil 0,05), ab Schulalter mit fluoridierter Zahnpasta für Erwachsene (0,1 bis 0,15 Prozent
Fluorid- Anteil).
Um eine Fluorüberdosierung zu vermeiden, sollte vom behandelnden Arzt sichergestellt werden,
dass das Trinkwasser nicht zu fluoridreich ist (was praktisch in Deutschland wohl
nicht vorkommt). Erkundigungen sind beim Wasserwerk bzw zuständigem
Gesundheitsamt einzuholen. In Frage kommen auch fluoridreiches
Mineralwasser (> 0,3 mg/dl), evtl bilanzierte Diät, auch
fluoridierte Zahnpasta bei Kindern unter drei Jahren.
Die drei Eckpfeiler der Kariesprävention sind:
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Diese Punkte sind natürlich in allen Gremien unbestritten. Aber im einzelnen gibt es doch differente Empfehlungen, die hier kurz interpretiert werden
sollen:
Zur Historie: Die Vitamin-D-Mangel-Rachitis war zu Beginn meiner medizinischen Laufbahn durchaus ein großes pädiatrisches Problem. Die rachitogenen Krämpfe, Mangelernährungen sowie
Knochendeformierungen
gehörten in das Spektrum der damaligen pädiatrischen Medizin. Dann wurde in den
Geburtshilflichen Kliniken mit der Vit. D-
Stoßprophylaxe begonnen ( 5 mg Vitamin D in einer Tablette! ), um wenigstens die schlimmsten Vit. D- Mangelerscheinungen zu bekämpfen.
Etwa ab der 6. Lebenswoche wurde mit der kontinuierlichen Gabe von Vit. D
(500 E) weitergemacht. Nach Einführung und Einbürgerung
des Vit.D-Stoßes wurden bald Stimmen laut, die für die kontinuierliche Vit. D- Gabe
gleich nach der Geburt plädierten, da die Vit. D-Spiegel im
Blut zu hohe Spitzen zeigten. Bevölkerung und betreuende Ärzte
haben diese
Vit. D- Prophylaxe im ersten Lebensjahr akzeptiert, die kontinuierliche Gabe des Vit. D
hatte sich gut etabliert. Einige Jahre
später wurde das Fluorid hinzugenommen und - da in derselben,
diesmal kombinierten Darreichungsform (Vit. D 400/500 E und 0,25 mg
Fluorid) - machte diese Umstellung keine größeren Probleme. Das
kombinierte Vit.D- Fluorid- Präparat wurde fortan ab dem 10. Lebenstag
eingenommen und dies mindestens ein Jahr lang, von uns Kinderärzten gerne auch
über den zweiten Winter verordnet, wenn die Kinder im Herbst oder im
Winter geboren wurden. Das klingt heute wie selbstverständlich, und doch war es ein langer Weg, bis
diese allgemeine Prophylaxe von allen Beteiligten (Müttern, Hebammen und
Ärzten) angenommen wurden.
Die DGKZM (eine schöne Abkürzung für Deutsche Gesellschaft für Kiefer-
Zahn- und Mundheilkunde) meint nun den Fluoridanteil der kombinierten Vit.D-/Fluor Prophylaxe bis zum 6. Lebensmonat herausnehmen zu müssen. Dies ist
zwar wissenschaftlich korrekt, verkompliziert aber die Rachitis- und
Fluorprophylaxe nur unnötig. Mit dem Durchbruch des ersten Zahnes(!) sollen die
Milchzähne einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger
Kinderzahnpasta gereinigt und ab dem zweiten Lebensjahr zweimal täglich geputzt
werden. Damit soll neben eines karies- und gingivitis -(Zahnfleischentzündung) hemmenden
Effektes eine frühzeitige Gewöhnung der Kinder an die tägliche Mundhygiene
erreicht werden. Vom Gebrauch einer Zahnpasta mit Frucht- und Bonbongeschmack
wird abgeraten.
Zusätzlich zum Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta soll fluoridiertes
Speisesalz verwendet werden. Eltern sollen das Zähneputzen bei Kleinkindern
überwachen und die Zähne ihrer Kinder bis in das Schulalter hinein
nachputzen.(!) Nachzulesen hier...
Nun, diese Vorschläge sind recht realitätsfern. Ein zweijähriges Kind wird sich nicht so leicht die Zähne putzen lassen,
ein Säugling sowieso nicht. Haben doch die Mütter schon manchmal
Schwierigkeiten, neue Zähne zu entdecken, weil der Säugling eben nicht so brav
den Mund aufmacht. Und wird Zahnpasta bei einem Kleinkind verabreicht, wird
diese eben verschluckt und nicht wie vorgeschrieben wieder herausgespuckt. Und
das fluoridierte Speisesalz spielt in diesem Alter sicher noch nicht die ihm
zugeordnete Rolle! Vorbereitungsuntersuchungen für Zahnsanierungen in Narkose
sind für den Kinderarzt Alltag geworden. Auch der Verweis auf die angelsächsischen Erfahrungen lässt
unberücksichtigt, dass in den USA z.B. die Trinkwasserfluoridisierung eine
große Rolle spielt.
Fakt ist aber sicher, dass die deutschen Kinder im
Vergleich zu früheren Jahrgängen sehr viel bessere Zähne aufweisen und dies
ist sicher ein Verdienst der medizinischen ärztlichen Fluorprophylaxe und nicht
der behandelnden Zahnärzte. Und was die vielzitierten Schmelzflecken angeht, so
können diese als Zeichen einer Fluorüberdosierung auftreten, sind aber auch
ohne Fluorprophylaxe häufig anzutreffen.
Hat mein Kind also brav an der medikamentösen Fluorprophylaxe teilgenommen, sind die Flecken ein Zeichen
einer Fluorüberdosierung. Hat es aber keine Fluorpräparate erhalten, wird der Vorwurf lauten,
warum haben Sie keine Fluorprophylaxe betrieben! Den schwarzen Peter hält man
so immer in der Hand.
Wir Kinderärzte meinen: weiter wie bisher. Es hat sich
gut bewährt: Fluorgabe als Tabletten bis zum 3. Lebensjahr 0,25 mg, ab dem 4.
Lebensjahr 0,5 mg, ab dem 6. Lebensjahr 1,0 mg. Die o.g. zwei zusätzlichen Eckpfeiler dabei nie
vergessen!
Übrigens wäre es sehr interessant, wie viel Prozent der deutschen Kinder tatsächlich
gewissenhaft und vollständig an der Fluorprophylaxe teilnehmen.
Hören wir doch schon bei vielen Müttern: "im Sommer, wenn die Sonne scheint, lasse ich die Tabletten
einfach weg".
Wird also ein Baby im Herbst geboren, erhält es laut zahnärztlichen
Richtlinien in den ersten 6 Monaten kein Fluorpräparat,
dann kommt ein warmer langer Sommer, in dem die Tabletteneinnahme vielleicht
ausfällt und mit dem ersten Lebensjahr wird dann die Zahnpasta nur
geschluckt. Wahrlich keine gesicherte Fluorprophylaxe!
Im übrigen:
Im Münchner
Trinkwasser beträgt nach Aussagen der Stadtwerke der mittlere Gehalt an Fluor 0,12
mg/l (schwankend von 0,06- 0,23), so dass eine ausreichende
Fluorkonzentration für die Kinder nicht gegeben ist.
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