Kurzsichtig durch nächtliche Zimmerbeleuchtung?


Die Kurzsichtigkeit ist Folge eines zu starken postnatalen (= nach der Geburt auftretenden) Wachstums des Augapfels. Der Brennpunkt der Linse wird dadurch vor die Retina (=Netzhaut) verlagert und das Bild unscharf. Aus Versuchen an Hühnern und Affen weiß man, daß Lichtsignale auf die Netzhaut ein verstärktes Wachstum des bulbus (=Glaskörper) bewirken. Beim Huhn kann man durch eine künstliche Verlängerung der Tageszeit eine Kurzsichtigkeit (=Myopie) auslösen.
Es gibt in jüngster Zeit Beobachtungen, die nahelegen, daß auch bei Kindern ein ähnliches Phänomen eine Rolle spielen könnte. Das Bulbuswachstum ist besonders in den ersten 2 Lebensjahren besonders groß. Anscheinend ist es so, daß Kleinstkinder, die bei normalen Tageslicht schlafen oder mit einem Nachtlicht von den Eltern ausgestattet werden, um die Angst vor der Dunkelheit zu nehmen, vermehrt zur Kurzsichtigkeit neigen. Etwa 5 mal weniger kurzsichtig waren Kinder, deren Kinderzimmer abgedunkelt war.
Man wird jeglichen wissenschaftlichen Schnellschüssen mißtrauen dürfen, trotzdem ist dies keine leichtfertige Behauptung. Vielleicht sollte daraus doch die Empfehlung abgeleitet werden, daß in den ersten beiden Lebensjahren die Schlafzimmer der Kinder dunkel gehalten werden sollten. Bei älteren Kindern scheint die Gefahr nicht mehr zu bestehen. Quelle:
Quin G. et al.: Myopia and ambient lighting at night. Nature 399 (1999)113-4.

Süddeutsche Zeitung vom 10.3.00: "Nachtlicht verursacht keine Kurzsichtigkeit"

In der Zeitschrift "Nature" wurden zwei wissenschaftliche Arbeiten aus den USA veröffentlicht, die zu dem Schluss kamen, ein Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und nächtlichem Licht würde nicht bestehen. Etwa 20 Prozent der untersuchten Kinder waren kurzsichtig, aber die Kurzsichtigkeit beträfe eher Kinder von selbst kurzsichtigen Eltern, die wohl eher dazu neigen, das Licht im Kinderzimmer bei Nacht brennen zu lassen.
*** Kommentar: So ist es halt mit der Wissenschaft! Wird eine These aufgestellt, versucht man sie zu stürzen oder zu entkräften oder man kann sie bestätigen. Das letzte Wort scheint bei diesem Problem noch nicht gesprochen zu sein.***

Immerhin scheint aber die Empfehlung, die Bauchlage bei Säuglingen zu meiden, um evtl dem "plötzlichen Kindstod" vorzubeugen, doch zu einem beachtenswerten Rückgang dieses schrecklichen Ereignisses geführt zu haben.