Polio
Im Jahre 1999 wurden erstmals in der Europäischen Region keine Erkrankungen mit dem
Poliomyelitis- Virus (Kinderlähmung) gemeldet. Der letzte berichtete Fall betraf einen
nicht geimpften 2- jährigen Jungen aus der Türkei in einer Provinz nahe der iranischen
Grenze aus dem November 1998. Auch eine durch die Polio-Impfung (Lebendimpfung nach
Sabin, die seit einem Jahr nicht mehr im Handel ist) hervorgerufene Erkrankung wurde im
Jahre 1999 nicht mehr gesehen.
1999 - das 1. poliofreie Jahr in Europa!
|
|
Diphtherie
Die in den letzten Jahren in Russland (Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten= GUS) aufgetretenen Fälle von Diphtherie sind infolge nationaler
Bekämpfungsprogramme deutlich zurückgegangen. In den Jahren 1994 und 1995
wurden in diesen Staaten noch rund 50 000 Fälle von Diphtherieerkrankungen
jährlich erfasst, im Jahre 1997 waren es nur noch 7 100. Im vergangenen
Jahr hat sich dieser Rückgang fortgesetzt. Experten der WHO (Welt
Gesundheitsbehörde= World Health Organization) schätzen, dass
durch die Maßnahmen der Epidemiebekämpfung mehr als 450 000 Diphtherieerkrankungen,
von denen etwa 10 000 vermutlich tödlich verlaufen wären, verhindert werden konnten.
1998 lagen der WHO für 1998 Meldungen über 2 086 Diphtherieerkrankungen aus 51 Staaten
der WHO-Region Europa vor. 2 067 dieser Fälle (99%) sind in der GUS aufgetreten! Was immer
noch bedeutet, dass Reisen nach Osteuropa und in die zentralasiatischen Staaten der GUS
nur mit einem aktuellen Impfschutz gegen Diphtherie angetreten werden sollen.
In Deutschland wurde
1998 nur ein Fall von klinischer Diphtherie-Erkrankung durch Meldung erfasst, die einen
25 jährigen in Deutschland lebenden Mann aus Bangladesch betraf, der vermutlich durch
Keimträger unter seinen Landsleuten, mit denen er Kontakt hatte, infiziert
wurde (s. Epid.
Bull. 11/98:75).
|
|
AIDS
(
acquired immun deficiency syndrome )
Nach aktuellen Schätzungen
des Robert-Koch-Institutes hat die Zahl der in Deutschland lebenden HIV-infizierten Menschen
mit etwa 37 000 Personen Ende des Jahres 1998 einen neuen Höchststand erreicht. Prof.
R. Kurth: "Durch die neuen Kombinationstherapien ist die Zahl der neu an AIDS erkrankten
Personen und der AIDS-Todesfälle mit jeweils 800 im Jahre 1998 erfreulicherweise auf
den niedrigsten Stand seit über 10 Jahren zurückgegangen." Immer noch infizieren
sich jedes Jahr in Deutschland über 2 000 Personen neu mit dem HI-Virus.
Seit dem Beginn der
HIV/AIDS-Epidemie Anfang der achtziger Jahre sind in Deutschland über 21 000 Menschen an
AIDS erkrankt und über 16 000 an den Folgen der Immunschwächekrankheit gestorben.
Die Zahl der neu diagnostizierten AIDS-Erkrankungen bei homo- bzw bisexuellen Männern im
Vergleich zu 1995 ist um zwei Drittel zurückgegangen, bei den intravenös
Drogenabhängigen etwa um 60% und bei den heterosexuell Infizierten um nur 33%. Die HIV-Epidemie
in Deutschland wird weiterhin in erster Linie durch die Neuinfektionen in der Gruppe der
homo- bzw. bisexuellen Männern, die etwa die Hälfte der Neuinfektionen ausmachen,
geprägt. Der Anteil der Fälle mit vermuteter heterosexueller Übertragung hat
in den letzten Jahren zugenommen und beträgt jetzt 18%. Das Spritzen von Drogen stellt
neben dem sexuellen Übertragungsweg auch heute mit 14% der Neuinfektionen ein nicht zu
vernachlässigendes Infektionsrisiko dar. Der Anteil der Frauen bei den Neu-Infizierten
lag 1998 bei 22%.
In Europa sowie in den USA gilt die HIV-Epidemie als stabil und unter Kontrolle,
wenngleich bei weitem noch nicht gestoppt. In vielen Ländern der dritten Welt aber ist die
HIV-Epidemie nach Einschätzung der WHO außer Kontrolle. AIDS gilt als der größte Killer aller Infektionserkrankungen und rangiert noch vor der Tuberkulose und der
Malaria. SZ vom 24.11.99:
Aids breitet sich immer schneller aus: 36,1 Millionen
Menschen sind mit dem HI-Virus infiziert, darunter 1,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren.
Die Zahl der Neuinfektionen im Jahre 1999 beträgt 5,6 Millionen, bis Ende des Jahres
1999 werden es voraussichtlich 2,6 Millionen Aids-Tote geben. Im Vorjahr waren es noch 2,2
Millionen Opfer. Der diesjährige Welt- AIDS- Tag stand unter dem Motto: "AIDS: Men
make a difference", als deutsche Übersetzung wurde "AIDS- Männer stellen sich der
Verantwortung" gewählt. Die allgemeine Aufmerksamkeit wird erneut auf die Hauptzielgruppe
der Männer gelenkt, die sowohl "Hauptbetroffenengruppe" als auch "Hauptverantwortungsträger"
sind. Es wird auf die spezielle Verantwortung des Mannes als Partner in einer hetero- bzw
homosexuellen Beziehung hingewiesen, als Familienvater oder Erziehender. Auf sexuellem
Gebiet haben Männer in ihrem klassischen Rollenverhalten noch immer großen Einfluss darauf,
ob, wann und wie Sexualkontakte stattfinden. Sie haben durchschnittlich eine höhere Zahl von
Sexualpartnern, neigen zu höherem Risikoverhalten und nehmen ihre Gesundheit weniger ernst,
konsumieren eher Alkohol und andere Drogen. Diese Merkmale und typische Verhaltensmuster
ermöglichen aber auch zusätzliche therapeutische Ansätze, wie das sogen. starke Geschlecht
wirklich auch mehr starke Seiten entwickeln könnte. In Deutschland rechnet man auch
für das Jahr 2000 mit insgesamt 2000 neuinfizierten AIDS- Kranken, etwa 600 AIDS- Kranke
sterben trotz verbesserter Therapiemöglichkeiten. Die Zahl der in Deutschland lebenden mit
HIV infizierten Personen wird auf etwa 37 000 geschätzt (davon 29 000 Männer und 8 000 Frauen).
Neben Afrika ist es insbesondere Osteuropa (Russland und angrenzende Länder) in der die
HIV- Infektionen dramatisch ansteigen. Nach einer aktuellen Schätzung waren es im Jahre 1999
bereits 420 000 HIV- Erkrankte, im Jahre 2000 hat sich diese Zahl sprunghaft auf 700 000
erhöht. Diese Entwicklung wird auf die starke Ausbreitung von i.v. Drogenanwendern zurückgeführt
. In der Drogenszene St. Petersburg wurden beispielsweise im Jahre 1996/97 0,3% HIV- Positive
ermittelt, im Jahre 1999 waren es bereits 12%, Mitte des Jahres 2000 16%. Wie in Afrika sind
begünstigende Faktoren zunehmende soziale Probleme, Armut, Prostitution und Defizite
im Gesundheitssystem. Etwa 22 Millionen sind bereits an der Epidemie gestorben.
Therapeutische Bemühungen haben in den westlichen Ländern zur Verbesserung der Lebensqualität
der Infizierten geführt, eine erfolgversprechende Impfung ist nach wie vor nicht in Sicht. Quelle:
Epidemiologisches Bulletin 1.12.2000 |
|
Hepatitis-B-Impfung
Hepatitis-B-Impfung auf keinen Fall verschieben!
Die ständige
Impfkommission (STIKO) warnt davor, den Beginn der Hepatitis-B-Impfung vom Säuglingsalter
auf den ersten Geburtstag zu verschieben (Epidem. Bull. Heft 2/1999, S.10) Bei diesem Gremium
hatte es Anfragen gegeben, ob Kinder nicht vorzugsweise mit der Kombinationsimpfung gegen
Hepatitis A und B geimpft werden sollten. Dieser Impfstoff ist erst nach dem ersten Lebensjahr
zugelassen.
Eine Verschiebung des Impftermines, so wurde richtig argumentiert, reduziere
auch die Impfrate, weil Impftermine im Kleinkind- oder Schulalter erfahrungsgemäß
oft nicht vollständig wahrgenommen werden, so die STIKO. Auch berge eine Verzögerung
bei Ungeimpften die Gefahr einer für Säuglinge besonders folgenschweren
Hepatitis-B-Infektion. Unsere praktische Erfahrung wird durch diese Aussage bestätigt:
Mit zunehmenden Alter der Kinder nimmt die elterliche Gewissenhaftigkeit von durchzuführenden Impfungen sukzessive ab.
Die Säuglingsimpfungen werden noch in einem sehr hohen
Prozentsatz wahrgenommen, schon bei den notwendigen Auffrischimpfungen zu Beginn des Schulalters treten jedoch empfindliche Impflücken auf.
|
Allergie und Infektionen
Die allergischen Erkrankungen scheinen insbesondere auch im Kindesalter zuzunehmen. Es wird von einer Rate von bereits 30 % gesprochen. Interessant in diesem
Zusammenhang ist, dass Erhebungen ergeben haben, dass in anthroposophisch geführten Haushalten die Rate von Allergie-Erkrankungen deutlich und signifikant niedriger liegt
als bei Kindern aus normal geführten Haushalten (Alm-Studie). Wesentliche Merkmale der
anthroposophischen Medizin sind das Vermeiden von Antibiotika, das Reduzieren von Impfungen besonders im Säuglings- und Kindesalter und die Ernährung von überwiegend natur-
belassenen Nahrungsmittel. Gesündere Lebensführung könnte das Allergierisiko vermindern: Aber auch das Vermeiden von Impfungen (hier insbesondere der Masern-Impfung )das längere Stillen und die bevorzugte Aufnahme von fermentierten Nahrungsmittel könnten eine allergiehemmende Rolle spielen.
Also nicht gerade eine
Bestätigung meiner in "Impfungen" vertretenen Meinung!
Danach scheint es so zu sein, dass höherer zivilisatorischer Lebensstil einhergeht eher mit
zunehmender Allergiebelastung. Vergleichsstudien zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern deuten auf eine höhere Allergie (Atopie)- Belastung in letzerem Kulturkreis.
Auch Studien aus Bayern, Österreich und der Schweiz belegen, dass Kinder aus Bauernfamilien, in denen noch aktive Landwirtschaft betrieben wird, weniger zu Allergien neigen als vergleichbare städtische Bevölkerungsgruppen.
Auch eine große Anzahl
älterer Geschwister scheint allergieschützend zu sein. Nun, genug Fragen und auch Sprengstoff für den Kinderarzt. Ist Allergie eine Zivilisationskrankheit und von äußeren Faktoren bestimmt? Spielt die
Ernährung eine Rolle, u.U. sogar das Durchführen von Impfungen und
die Gabe von Antibiotika? Sicherlich ist es vorstellbar, dass alles, was dem menschlichen Organismus letzendlich künstlich zugeführt wird, auch in irgendeinem Maße allergiefördernd ist. Nehmen wir mit der
vorbeugenden Behandlung von gefährlichen Erkrankungen (Impfungen?) ein gewisses Allergierisiko in Kauf!? Unbestreitbar gibt es einflussreiche allergieschützende Umwelt- und Ernährungsfaktoren (siehe im Säuglingsalter
die Muttermilch bzw die hypoallergene Milchen), die vielleicht in den nächsten Jahren besser identifiziert und damit berücksichtigt werden können. Und trotzdem ist das letzte Wort nicht gesprochen. Neuere Untersuchungen müssen abgewartet werden. Aber auf jeden Fall scheint plausibel, dass
zumindest unsere städtischen Lebensgewohnheiten eher einer vermehrten Allergieentstehung den
Boden bereiten.
zitiert aus "Pädiatrische Allergologie" 3/1999.
O.g. These, dass eine Masern-Impfung eher zu einer erhöhten Allergieneigung führt, wurde kürzlich von einer finnischen Studie widerlegt. Danach haben Kinder, die Masern durchgemacht hatten , sogar häufiger Allergien als
Kinder, die daran nicht erkrankt waren. Bei den Kindern der Masern-Gruppe (Teilnehmerzahl der
Studie: etwa 548 000 Kinder und Jugendlichen zwischen 14 Monaten und 19 Jahren) war die Rate von Ekzemen um das 1,3 fache, die von Rhinitis um das 1,4 fache und die von Asthma sogar um das
1,7 fache erhöht.
zitiert aus "Ärzte Zeitung" Ausgabe 2/2000 Jahrgang 5.
|
Autoimmunerkrankungen
Chronische Darmerkrankungen scheinen ebenfalls zuzunehmen. Auch hier wird die verbesserte, ja pingelige Hygiene beschuldigt,
die Krankheiten wie "Morbus Crohn" (= enteritis regionalis) oder "Colitis
ulzerosa" eher
zu fördern als zu
verhindern. Tatsächlich sind diese Erkrankungen in Entwicklungsländern deutlich seltener als in hochzivilisierten Ländern anzutreffen. Die Konsequenz wäre, natürliche Krankheitserreger
wie z.B. Würmer wieder einzuführen, damit das Abwehrsystem des Darmes natürliche Feinde bekommt und nicht
"autoaggressiv"- da gleichsam arbeitslos! - das eigene Gewebe angreift.
Und folgerichtig werden Wurmkulturen
in den USA wieder künstlich eingesetzt, um Abwehrmechanismen des Darmes anzuregen.
Diese medizinische Sichtweise hat durchaus einen wissenschaftlich hohen Reiz und ist mit obiger
"Allergie-Entstehungstheorie" gut vereinbar. Entscheidend ist, dass das Immunsystem in der frühen Lebensphase trainiert werden muss, damit die Abwehrkräfte nicht unterfordert werden und womöglich gegen harmlose Fremdstoffe wie Pollen, Staubpartikel oder Tierhaare sich wenden.
Ähnliches gilt u.U. ja auch für andere "Autoimmunerkrankungen" wie dem juvenilen Diabetes (Blutzuckererkrankung), dem Rheuma oder der multiplen Sklerose..
Schließlich wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass eine übertriebene Hauthygiene unserer Haut eher schadet als
nützt, dass eine gewisse Schmutzschicht eher von Vorteil ist und diese vor unliebsamen Erregern schützen kann.
zitiert
"Spiegel"-Ausgabe v. 13.12.1999.
Und noch ein Beleg für obige Theorie des "antiallergischen Wurms."
Eine Infektion mit dem Pärchenegel, einem Wurm namens
"schistosoma haematobium" kann zwar Fieber und Entzündungszeichen nach sich ziehen. Wenn die akute Infektion
aber überwunden ist, sind z.B. chronisch infizierte Kinder abgehärtet und neigen zu deutlich
weniger Allergien ( z.B. Hausstauballergie). Im Blut dieser Kinder fanden Forscher hohe Konzentrationen an
Interleukin- 10, welches im menschlichen Organismus als wichtiger Abwehrstoff dient. Der Entzündungshemmer, durch den Wurmbefall produziert, schützt anscheinend den Körper vor anderen ungewollten Attacken des Immunsystems (z.B. Allergien). Diese Befunde (erhoben an 521 Kindern des Albert Schweitzer- Hospitals in Gabun) untermauern die "Dschungel-Hypothese", wonach Allergien eine typische Zivilisationskrankheit sind und durch übertriebene Reinlichkeit begünstigt, wenn nicht sogar hervorgerufen werden.
"Lancet", (BD 356, S. 1723, 2000)
Und
noch eine Bereicherung der therapeutischen Biopalette!
Maden von Schmeißfliegen fressen chronische Wunden auf! Die
kleinen Aasfresser vertilgen schlecht heilende Eiterstümpfe, offene
Stellen faulen Gewebes, Diabetikerbeine
heilen nach knapp zehntägiger Behandlung. Die Fliegenmaden
fressen solange, bis sie satt sind. Und können sogar, wenn ins
Trockene zurückgekehrt, sich wieder zu Fliegen entpuppen !
In vielen deutschen Chirurgischen und Hautkliniken wird mit Erfolg
und ohne Nebenwirkungen diese Methode
durchgeführt. Infolge eines stark wirksamen Eiweißes des
Verdauungssekrets der Fliegenmaden wird das abgestorbene Gewebe fein säuberlich
verflüssigt, das gesunde Gewebe bleibt erhalten. Bereits in den dreißiger
Jahren war die Madentherapie weit verbreitet und geriet durch die
Antibiotika- Ära in Vergessenheit. Jetzt , da Resistenzen zunehmend
sich entwickeln, kommen sie wieder zum Einsatz.
Neben Blutegel bei Venenleiden, Rheuma und Thrombosen, versuchsweise
die Wurmkulturen bei M. Crohn und colitis ulzerosa (s.o.) und jetzt die
Maden der Fliegen als zweites biologisches Messer des
Chirurgen.
zitiert
"Spiegel"-Ausgabe v. 12. 02.
2001.
|