Tuberkulose in Deutschland
Obwohl die Tuberkulosesituation auf der Basis der Meldedaten für das Jahr
2000 nicht als bedrohlich zu bezeichnen ist, gehört Deutschland nicht zu den "low
incidence countries" ( = tuberkulose- seltenen/armen Ländern) und es sind weiterhin konsequente Maßnahmen
zur Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulose erforderlich! Eine effektive
Tuberkulosebekämpfung wird vorrangig durch die rasche Entdeckung erkrankter und
infektiöser Personen erzielt, dabei müssen die bekannten Risikogruppen
besondere Beachtung finden.
Die Zahl der in Deutschland für das Jahr 2000 (noch
nach dem Bundes-Seuchengesetz) gemeldeten Neuerkrankungen an aktiver
Tuberkulose betrug 9.064. Das entspricht einer Inzidenz von 11,0 Erkrankungen
pro 100.000 Einwohner (1999: 12,2). Damit hat sich die bereits in den Vorjahren
bestehende insgesamt rückläufige Tendenz von Tuberkulose- Erkrankungen weiter
fortgesetzt (1999: 9.974 Erkrankungen, 1998: 10.440 Erkrankungen; 1997: 11.163
Erkrankungen).
Wie auch in
den Vorjahren, sind Männer mit einer Inzidenz von 14,0 (5.619 gemeldete Erkrankungen) häufiger betroffen als Frauen mit einer Inzidenz von 8,2 (3.445
Erkrankungen). 446
Neuerkrankungen (4,9 %) betrafen Kinder unter 15 Jahren; im Jahr 1999 waren 425
Kinder an Tuberkulose erkrankt. Damit erhöhte sich die Zahl der Neuerkrankungen
im Kindesalter im Jahr 2000 um 17 Fälle (4,9 %). Dieser Anstieg der
Erkrankungszahlen im Kindesalter ist insofern bedeutsam, als Kinder aufgrund
der häufigen und zeitnahen Erkrankung nach Infektion als Indikator für das
Tuberkulosegeschehen gelten können.
Der in den Vorjahren leicht angestiegene
Anteil von Erkrankungen bei Ausländern ist im Jahr 2000 mit 33,6 % etwa gleich
geblieben (1999:33,1 %; 1998:31,5 %).
Klinische Manifestation
Eine Tuberkulose
der Atmungsorgane war bei 83,1 % der Erkrankten nachweisbar, 16,9 % der Patienten
wiesen eine Tuberkulose anderer Organe auf. Unter den Tuberkulose- Erkrankungen
anderer Organe standen mit 48,5 % die Tuberkulose der peripheren Lymphknoten und
mit 20,4 % die Tuberkulose des Urogenitaltraktes im Vordergrund. Zu den seltener
diagnostizierten Tuberkulosen anderer Organe gehört die Tuberkulose der
Knochen und Gelenke (11,8 %) und die Meningitis tuberculosa (3,3 %).
-Bei 58,2
% der an Tuberkulose der Atmungsorgane Erkrankten wurde die Erkrankung durch den
Erregernachweis gesichert.
Anmerkungen zur globalen Situation
Weltweit haben sich die Zahlen der
Tuberkulose- Erkrankungs- und - Sterbefälle trotz aller Gegenmaßnahmen, insbesondere des verbreiteten Einsatzes der Strategie DOTS (Directly Observed
Treatment Shortcourse ),der kontrollierten, kombinierten Therapie, bisher
insgesamt noch weiter erhöht.
Nach Schätzungen der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten 1999 etwa 8,4 Millionen Menschen neu
an Tuberkulose (1998: 8 Millionen). Die Häufigkeit der Tuberkulose hängt stark
von den Lebensbedingungen ab. Daher besitzt diese Krankheit eine besonders
große Bedeutung in Entwicklungsländern; hier treten weltweit mehr als 90% der
Erkrankungen auf und sterben jährlich zwei bis drei Millionen Menschen an
Tuberkulose. Der aktuell zu beobachtende Anstieg ist vor allem auf die mit der
HIV/ AIDS -Epidemie in Afrika assoziierte Zunahme der Tuberkulose- Erkrankungen
in dieser Region zurückzuführen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, werden
für das Jahr 2005 10,2 Millionen neuer Fälle erwartet. Dabei könnte Afrika
extrem betroffen sein.
Auch das verstärkte Auftreten multiresistenter Erreger
ist vor allem in armen Ländern ein gravierendes Problem, in denen die
kontinuierliche Versorgung mit Medikamenten sowie die medizinische
Infrastruktur unzureichend sind. Hinsichtlich der Multiresistenz bestehen
weiterhin kritische Situationen in Teilen Asiens (Indien, China) und Südamerikas
sowie in Osteuropa, einer Region,in der gegenwärtig jährlich etwa eine
Viertelmillion neue Tuberkulose- Erkrankungen auftreten. Durch vielfältige
Kontakte und Migrationsprozesse besitzt dieses Potenzial multiresistenter
Stämme auch eine unmittelbare Bedeutung für Deutschland und andere
europäische Länder.
aus: Epidemiologisches Bulletin des Robert- Koch- Instituts, Nr.46/2001