Absencen..Affektkrampf | Infektkrampf | Absencen | Rolandi Epilepsie | Jugendlicher Ikterus | Bettnässen | Alice in Wonderland syndrome | Kawasaki- Syndrom | Hämangiome im Kindesalter (PDF- Datei) | Haltungsschaden bei Kindern und Jugendlichen (PDF- Datei) | Streifenförmige Dermatosen (PDF- Datei) | ..sind epileptische Anfälle, die am besten geeignet sind, Vorurteile gegenüber einer "Epilepsie", bzw eines an Epilepsie erkrankten Menschen abzubauen. Eine Absence (momentanée) ist eine vorübergehende, plötzliche und kurze Ausschaltung des Bewusstseins. Sie wird in der klassischen harmlosen Form auch als "Pyknolepsie"bezeichnet und gehört medizinisch zu dem weitgefächerten Krankheitskomplex des "Petit Mal" (fr.: kleines Übel), der kleinen Anfälle. Im Gegensatz dazu steht der "Grand Mal" (fr.: großes Übel)-Anfall, bei dem starke motorische Erscheinungen wie Verkrampfen der Muskulatur, Zuckungen der Gliedmaßen, Blauwerden des Gesichts und längerer Bewusstseinsverlust im Vordergrund stehen. Letztere Erscheinungen prägen das Bild des Laien über den epileptischen Anfall und somit die Assoziation des Unheilbaren bei Epilepsieerkrankten. Tatsächlich ist ein solcher epileptischer Anfall immer ein hochdramatisches Ereignis, welches auf die Mitmenschen angstmachenden und für den Betroffenen durchaus lebensbedrohenden Charakter hat.Das typische Bild einer Absence ist gekennzeichnet durch einen unvermittelt auftretenden Bewusstseinsverlust (fr.: absence=Abwesenheit), der etwa 5-20 Sekunden andauern kann. Typisch ist dabei, dass keine Vorboten (die sogenannte "Aura" ) diesen Bewusstseinsverlust ankündigen und auch hinterher keine Erinnerung an das Geschehen besteht. Es kommt also zu einer kurzen "seelischen Pause", die mitunter gar nicht leicht von Außenstehenden wahrgenommen wird. Manchmal ändert sich lediglich der Gesichtsausdruck, die Gesichtszüge werden schlaff, die Lider sinken etwas herab, der Mund öffnet sich kurz. Also durchaus ein Zustand, der von einem "Hindösen", "in die Luft kucken" oder "Verträumtsein" schwer zu unterscheiden ist. Und tatsächlich bleiben diese Anfälle nicht selten längere Zeit unerkannt, obwohl sie über den Tag verteilt bis zu hundertmal auftreten können. Mitunter fallen im Schulheft plötzliche unmotivierte Schnörkel auf, kurze Schriftunterbrechungen, die so gar nicht in das übliche Schriftbild hineinpassen. Dann wiederum kommt es zu einem kurzen Entgleiten beispielsweise des Füllers oder Bleistiftes und zur schnellen Wiederaufnahme. Das Bewusstsein ist nicht immer aufgehoben, die Kinder
sind in einem Art Dämmerzustand, nehmen schon noch etwas wahr und können sogar noch
automatische Tätigkeiten wie Gehen, Schreiben, oder Klavierspielen fortführen, reagieren
aber nicht mehr adäquat auf Zuruf.- Also für einen ungeübten Beobachter durchaus
Handlungsabläufe, die in ihrer Bedeutung gerne übersehen werden.Zu diesen einfachen und leicht zu übersehenden Absencen gesellen sich dann aber doch noch Erscheinungen hinzu, die dann auch dem Laien auffallen: es kann zu rhythmischen kleinen Bewegungen der Hände und der Arme kommen, zu Augenblinzelattacken, zu Kopf- und Rumpfbewegungen nach vorne und hinten und zuletzt auch zu Automatismen wie Lecken, Schmecken, Kauen und Schlucken. Auch komplexere Bewegungen wie Nesteln, Zupfen, Ausziehen können ebenso auftreten wie vegetative Symptome: z.B. Erröten, Erblassen, Schwitzen, veränderte Atmung bis zum Einnässen. Im EEG (= Elektroenzephalogramm) finden sich - insbesondere bei tiefem Ein- und Ausatmen ( = Hyperventilation) - ganz eindrucksvolle rhythmische Spitze-Wellen Komplexe, die oft sekundenlang in dem sonst
ganz normalen Kurvenverlauf wie Elektroblitze herausragen (s. Abb.). Man kann nicht selten eine
typische Absence durch die Hyperventilation provozieren. Nicht zuletzt dient das EEG auch
dazu, andere ähnliche, nicht epilepsie-bedingte Phänomene wie z.B. psychogene
Blinzeltics,
schulbedingtes "Abtauchen" oder ähnliche auf Absencen scheinbar verdächtige Erscheinungen
auseinanderzuhalten.Diese Pyknolepsie tritt vorwiegend zwischen den 5. und 12. Lebensjahr auf, Mädchen erkranken deutlich häufiger als Buben. Die Behandlung mit Medikamenten (sogenannter Antikonvulsiva) ist sehr dankbar und macht die Kinder in aller Regel schnell anfallsfrei. Diese Medikamente müssen aber regelmäßig und mindestens über einige Jahre eingenommen werden. Eine homöopathische Alternativbehandlung gibt es nicht, auch wenn diese manchmal versucht wird. Eine fassbare Störung im Sinne einer Hirnschädigung in den bildgegebenden Verfahren wie Computertomographie bzw Kernspintomographie wird nicht gefunden. Eine deutliche genetische Veranlagung dieser Erkrankung scheint zu bestehen.- Selten gibt es Verläufe, die dann später mit großen Anfällen kombiniert sind. Von den Spezialisten, den Epileptologen, werden viele Unterscheidungen auch verschiedenster Absenceformen gemacht. Ich habe mich vor allem auf die am häufigsten auftretenden und die am dankbarsten zu behandelnden beschränkt. Nicht zuletzt auch deswegen, um den starken Vorbehalten und Vorurteilen in der Bevölkerung gegenüber den Anfallskranken zu begegnen. Denn diese Anfallskinder sind ganz normale "gesunde" Kinder, sie haben sich motorisch und intellektuell unauffällig entwickelt. |