Eine ziemlich coole Geschichte


Ein starker Spruch | Ein wahrer Spruch | Eine ziemlich coole Geschichte | Übrigens: c' est  Monsier Ekké!


Du erinnerst Dich doch noch, Elisabeth! Es war ein ganz normaler Tag in Obergurgl,

die Vorlesungen schleppten sich dahin, die hinteren Ränge waren wie immer gut besetzt -zum schnellen und lautlosen Verschwinden besonders geeignet. Die Luft war stickig, ein feiner Chlorgeruch zog wie in all den Jahren durch den Hörsaal, die vielen Dias in der Dunkelheit ließen einem gern das in der Nacht Versäumte nachholen und froh strömten wir ins Freie, um die unbestechlich frische Luft des Hochgebirges einzuatmen. Dir war der Strich in Kandlers Malstube an diesem Tage auch nicht besonders erfrischend gelungen, zu zittrig und batzig waren die Täler und Schluchten Dir geraten. Und auch Du sogst die klare Luft in vollen Zügen ein, als Du die miefigen Schulräume endlich verlassen durftest. Wir trafen uns wie immer, die alten Kumpane der vergangenen 10 Jahre. In kleinen Gruppen stießen wir unweigerlich zusammen. Es war wie ein magisches Ritual. Zur angegeben Zeit waren sie alle da: die einen kamen von der frühmorgendlichen 4-stündigen Skitour, die anderen vom Frühstücks-Vorlesungs- oder Malbuffet, manch einer auch aus der - zugegebenerweise an diesem Tag gar nicht so unangebrachten - Morgenandacht. Auf jeden Fall standen wir alle versammelt und vereint am Hang und dichte Nebelschwaden ließen den Tag nicht gerade verheißungsvoll erscheinen. Wir hatten ganz im Gegensatz zu japanischen Touristen , die ja ihre Kameras gut sichtbar und allzeit bereit an der Brust festgeschnallt zu tragen pflegen, unsere Lawinenpiepser schüchtern und verstohlen unterm Wams, im Rucksack oder auch in der Herbergsschublade liegen. Unheimlich und suspekt fanden wir sie ja immer, diese lautlosen Dinger, die nur mit Bernhardiner-Ohren vernehmbar waren, und niemand so genau wusste, ob sie nun auf Empfang oder auf Sendung standen. Warum eigentlich keine Schleudersitze? Keine Alarmanlage? Keine Fallschirmleinen? Oder wenigstens duftmarkierte Skier? Warum kein Schnee-Airbag? Da müsste mal ein Flachlandingenieur ganz unvoreingenommen an die Arbeit. Oder? Nun auf jeden Fall standen wir ziemlich erwartungslos oben am Kirchenkar und plötzlich zerteilten sich die Wolken wie ein Vorhang zum großen Akt und der Tag leuchtete und versprach Großes. Wir setzten an zu unseren unübertroffenen feinziselierten Schwüngen -ob Tiefschnee oder Piste -und stoben hinab ins Tal. Doch allzukurz währte diese Lust über die Hänge zu jagen, zu schnell mussten wir das Tempo zügeln und in den ungeliebten Gänsemarsch uns hineinzwängen. Es galt den unberührten Hang zu traversieren, die dummen Dinger einzuschalten und einer nach dem anderen die Mulde zu überqueren. Und wie immer trifft es die Unschuldigen, die Anständigen. Uns beide natürlich! Der Hang barst, die Erde tat sich auf und schwamm uns entgegen. Sie packte Dich mit ihren Schneequadern groß wie Kühlschränke und schleuderte Dich den Hang hinunter. Im Hauptstrudel saßest Du fest und konntest Dich nicht rühren. Auf Deinem schweren Weg konnte, ja sollte ich Dich nur ein kurzes Stück begleiten. Kleinere Strömungen haben mich an die Bergkante gespült und ich vermochte zu sehen, wie Du nach einer schieren Ewigkeit aus dem Berg wieder herausoperiert werden konntest. Du sahst aus wie ein schlecht korrigiertes vitium (=Herzfehler), Dein Gesicht korrespondierte farblich zum fahlen Blau des Himmels, aus dem Du ja gerade auch entstiegen. Dein Knie tat weh, man schob Dir die Schneereste aus dem Gesicht, der Lawinenhund wedelte mit dem Schwanz und der Helikopter entführte Dich erneut . Im entfernten Krankenhaus wurdest Du aufgenommen und mit kühlen weißen Leinentüchern unzureichend zugedeckt. Wie psychologisch ungeschickt: Dich erneut in eine weiße Hülle zu stecken, kalt dazu, wo Du doch von warmen braunen und flauschigen Wolldecken träumtest. Immerhin wich die Zyanose (=Blausucht) aus Deinem Gesicht und Du erinnertest Dich plötzlich wieder, dass ja zur selben Stunde der Gesellschaftsabend im Hochfirst seinem Höhepunkt entgegentobte. Du haktest Günther unter, dessen sowieso schon schmales Gesicht durch die Ereignisse noch etwas spitzer und alabastern schimmerte. Mit großem Hallo wurdest Du begrüßt und so manche Schneeschmelze vollerTränen ergoss sich auf den Tanzboden. Und da kam ich auf Dich zu und Du begrüßtest mich mit den Worten und Dein unnachahmlicher Vorarlberger Dialekt sang schon wieder mit:

"Ja, Domas, läbscht Du au no!"