STIKO - Masern - HepatitisB


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Also, was sollen wir impfen? - Das, was von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen wird. Und das, was der Arzt empfiehlt.

Wenn sich hier eine Diskrepanz auftut, muss man eher beim Arzt kritisch hinterfragen.


Impfplan der Ständigen Impfkommission

Die empfohlenen Impfungen beginnen im Säuglingsalter zwischen dem 2.und 4. Lebensmonat. Üblicherweise wird bei der Vorsorgeuntersuchung U4 begonnen: 3 Impfungen im Abstand von 4 Wochen als Kombinationsimpfung (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, HIB und Kinderlähmung = 1 Spritze), im zweiten Lebensjahr erfolgt etwa 9-12 Monate später eine Auffrischung dieser Säuglingsimpfungen. Diese wird zu Beginn des Schulalters als Diphtherie-Tetanus Kombinationsimpfung wiederholt und im Alter von 10-15 Jahren nochmals mit der Kinderlähmung kombiniert verabreicht.

Um den 15. Lebensmonat herum wird der erste Impfzyklus mit der MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) abgeschlossen. Auch sie sollte spätestens ein zweites Mal zu Beginn des Schulalters wiederholt werden. Noch besser ist es, die zweite MMR-Impfung sehr viel früher durchzuführen. Der früheste Zeitpunkt wäre bereits 4 Wochen nach der ersten, anbieten würde sich auch der U7- Termin im Alter von 2 Jahren.

Inzwischen gibt es bereits die 6- fach Impfung, in der neben Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio und Hämophilus influenzae die Hepatitis B- Komponente hinzugefügt wird (s. auch "überlastetetes Immunsystem").

Die MMR-Impfung ist eine Lebendimpfung und bietet erneut für viele Eltern Anlass, Fragen nach Sinn und Notwendigkeit dieser Impfung zu stellen. Häufig wird argumentiert, dass es doch ganz wichtig sei, die banalen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln durchzumachen. Dabei wird immer wieder vergessen, dass diese Erkrankungen - wenngleich selten - schwere Komplikationen hervorrufen können. Wie immer gilt: je sozial schlechter die Menschen leben, desto verheerender sind die Auswirkungen einer schwerwiegenden Komplikation. In den Entwicklungsländern stellt sich das Problem also viel brisanter dar. Indirekt aber auch für unsere Bevölkerung, da die Gefahr von eingeschleppten Erkrankungen groß ist, wenn kein Schutz vor diesen Erkrankungen mehr besteht. Siehe auch unter Masernepidemie in Coburg

Einige Daten:

  • Masernenzephalitis (Hirnentzündung) bei 0,05-0,1 % der Erkrankten, 10-15% dieser schwer Erkrankten sterben. Ausheilung mit Rest-Hirnschäden bis zu 30%
  • Eine sehr seltene, aber immer tödlich verlaufende Erkrankung nach einer Maserninfektion ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis ("SSPE") Sie tritt Monate bis Jahre nach einer Maserninfektion auf (etwa vergleichbar der BSE- [Rinderwahnsinn] -Folgeerkrankung bei Menschen: neue Variante der "Jakob Creutzfeldt" Erkrankung, Anmerkung des Autors).
  • Bei Erwachsenen ist der Verlauf - übrigens bei allen Kindererkrankungen - immer schwerer. Hier kommt es häufiger zu Lungenentzündungen, in etwa 1 Promille der Fälle zu Hirnentzündungen (Todesrate etwa 15%, Defektheilungen etwa in 30%, zu länger dauernden Immunschwäche, verzögerten Heilung.
  • Die Mumpsinfektion führt in 5-10% der Fälle zu Hirnhautentzündungen, die nicht sehr schwer verlaufen, aber doch oft zu Hörstörungen führen können. 1-3% der Fälle führen zu Hirn/Hirnhautentzündung. Nach der Pubertät ist die Hodenentzündung bei bis zu 25% der Erkrankten gefürchtet (ein häufiger Sterilitätsgrund bei Männern), Eierstocksentzündungen in etwa 4 Prozent bei Frauen.
  • Die Rötelninfektion können bei Schwangeren zur gefürchteten "fetalen Rötelnembryopathie" des Neugeborenen führen.

Also gewichtige Gründe, diese Impfung durchzuführen.


ein Fallbericht!


Seit 1996 wird der Säuglings-Kombinationsimpfung die Hepatitis-B-Impfung hinzugefügt. Früher wurde diese Impfung (infektiöse Leberentzündung, häufig chronisch verlaufend) nur bei Risikopersonen vorgenommen, die mit Blut, Blutserum und Blutprodukten zu tun hatten (z.B. Krankenhauspersonal, Angestellte in Arzt- und Zahnarztpraxen u.a.). Damit wurde aber die Infektionsrate nicht gesenkt, sondern eine Zunahme von Neuinfektionen musste registriert werden. Die Hauptansteckungsquelle erfolgt über den Geschlechtsverkehr. Hochrisikogruppen sind Homosexuelle, Fixer; aber auch bei heterosexuellen Kontakten ist die Gefahr einer Infektion groß. Faktoren wie vermehrter Zuzug von Einwanderern, auch Kriegsflüchtlingen, überhaupt das Phänomen der offeneren Grenzen verschärfen das Infektionsrisiko zusätzlich. Aus letzteren Gründen impfen Italien, Frankreich und die USA seit Jahren schon sehr viel konsequenter gegen Hepatitis B. Diese Leberentzündung gilt als 50-100 mal infektiöser als beispielsweise AIDS. Man schätzt, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 50 000 Menschen mit Hepatitis B sich neu infizieren. Davon sind 13% Kinder unter 15 Jahren, die sich durch Verletzungen bei anderen Kindern anstecken. Zusätzlich werden jedes Jahr etwa 1000 Kinder bei Geburt mit dem Hepatitis B-Virus infiziert. Die meisten Infektionen erfolgen jedoch zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, wobei die Übertragung durch Sexualkontakte die wichtigste Rolle spielt. Aus diesem Grunde ist es besonders wichtig, alle Jugendliche , Bildnisdie in das geschlechtsreife Alter eintreten, vor dieser Infektion zu schützen. Die Infektion führt sehr oft- bei bleibender Ansteckung- in ein chronisches Stadium, welches zur Leberzirrhose und sogar zum Leberkrebs führen kann. Darüber hinaus gilt, dass je früher eine Infektion stattgefunden hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Chronifizierung der Leberentzündung. Eine Infektion des Kindes bei der Geburt führt zu 90% der Fälle zu einer chronischen Infektion. Deswegen sollten auch alle Schwangeren in der Schwangerschaft auf Hepatitis B untersucht werden. Im Kindesalter ist zwar die Gefahr einer Infektion nicht so groß, dafür aber umso schlechter die Prognose bezüglich der chronischen Leberschädigung. Bei den Jugendlichen ist die Gefahr einer akuten Ansteckung besonders hoch. Also sollte man alle Kinder impfen! Die Kleinen wie die Großen. Und man muss froh sein, dass unser Gesundheitswesen diese relativ teure Impfung noch finanziert. Übrigens gibt es seit dem Jahre 2001  für Säuglinge einen neuen Kombinationsimpfstoff, der die Hepatitis-B-Komponente mitenthält (sogenannter 6-fach-Impfstoff), sodass letztere nicht mehr separat verabreicht werden muss.

Für die größeren Kindern gibt es seit etwa einem Jahr die Kombinationsimpfung Hepatitis A und B. Die Hepatitis A-Infektion ist die in der Regel harmloser verlaufende Gelbsucht, die vor allem über Schmierinfektionen (verunreinigtes Wasser, Speisen o.ä.) erworben wird. Sie gilt als "Reiseerkrankung", weil sie tatsächlich gerne aus den südlichen Reiseländern mitgebracht wird. Sie stellt keine Impfleistung der gesetzlichen Krankenkassen dar. Aber gegen ein geringes Entgelt kann man sich gegen beide Erkrankungen schützen, was bei der sprichwörtlichen deutschen Reisefreudigkeit allemal sinnvoll ist. Übrigens kann auch die harmlosere Hepatitis A mehrere Wochen krank machen, selten auch zu einem chronischen Verlauf führen.

Ziel und Zweck dieser Impfstrategie ist es, diese sogenannten harmlosen Kindererkrankungen ganz aus unserem Leben zu verbannen. Und dies gelingt nur, wenn es zu einer Durchimpfungsrate von etwa 90% der Bevölkerung kommt.

Weitere Informationen gibt's beim Robert-Koch-Institut