Masern


Dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, veranschaulicht ein Bericht des Robert-Koch-Institutes im Epidemiologischen Bulletin (zitiert aus der Zeitschrift "Päd", Dezember 1998).Es wird über 4 Fälle von Masernerkrankungen berichtet, die im Sommer 1996 während einer Auslandsreise in einer Jugendgruppe aufgetreten waren.

Am Abreisetag erkrankte eine Teilnehmerin an einem katarrhalischen Infekt (katarrhalisches Stadium), trat jedoch nach Konsultation eines Arztes die Reise an. Nachdem zwei Tage später in Schweden ein Ausschlag hinzutrat, erfolgte die Vorstellung im örtlichen Krankenhaus. Dort wurde die Diagnose "Lebensmittelvergiftung" gestellt. Drei weitere Jugendliche erkrankten ebenfalls mit Fieber und generalisierten Ausschlag und wurden ebenfalls im Krankenhaus vorgestellt. In einem Fall wurde Scharlach diagnostiziert, in den beiden anderen Fällen der Verdacht auf Scharlach geäußert.

Das 15-jährige Mädchen, bei der die Diagnose Scharlach gestellt wurde, trat mit den anderen die Rückreise im Bus an.Masernbild Auf der Überfahrt von Rodby nach Puttgarden verschlechterte sich der Zustand so rapide, dass der Tod auf der Fahrt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus Fehmarn trotz Reanimationsbemühungen eintrat.

Es handelte sich bei allen 4 Jugendlichen um eine Maserninfektion, bei dem verstorbenen Mädchen hatte sich eine Hirnentzündung entwickelt. Bei den beiden anderen Fällen (Verdacht auf Scharlach) wurden im nachhinein hämorrhagische Masern festgestellt (besonders schwere Masern mit Hauteinblutungen). Der Ablauf des Geschehens macht klar, dass bei Masern immer schwere Verläufe möglich sind - insbesondere jenseits des Kindesalters - und andererseits in Ländern mit effektiver Schutzimpfung und dadurch extrem niedriger Erkrankungsrate (z.B.Schweden) in der Praxis nicht mehr an Masern gedacht wird und es so zu einer fatalen Fehldiagnose kommen kann.