Die Borreliose ...Windpocken | Ringelröteln | 3-Tage-Fieber | FSME | Borreliose | Ehrlichiose | Hand-Mund-Fuß-Erkrankung | Milbenbefall | Dermatitis | Bade-Otitis | Pfeiffer'sches Drüsenfieber | Röteln (Rubella) | Mumps (parotitis epidemica) | Keuchhusten | Pest | Legionärserkrankung | Nagelpilzerkrankungen | Pocken siehe auch Bildergalerie ... ist eine ebenfalls durch Zecken übertragene Erkrankung, die im Gegensatz zur FSME nicht nur in manchen Gebieten auftritt, sondern überall in Deutschland vorkommt. Sie ist eine bakterielle Infektion und somit einer antibiotischen Behandlung zugängig. Man nennt sie auch "Lyme-Borreliose" (oder "lyme disease"), da sie im Jahre 1975 in einer kleinen Stadt Lyme in Conecticut/USA entdeckt wurde: Hier häuften sich bei Kindern unklare Gelenkserkrankungen. Ein Zusammenhang zwischen diesen Gelenkserscheinungen und einem bestimmten Hautausschlag nach Zeckenbissen wurde gesehen. Als Infektionserreger wurden verschiedene Borrelienarten in Zecken erkannt. Diese nannte man nach dem Erstbeschreiber "borrelia burgdorferi". Fraglich sind auch andere Überträger (Insekten?) dieser Borrelieninfektion. Die Zecken sind in manchen Gegenden und Regionen bis zu 30% mit Borrelien infiziert. Das Infektionsrisiko nach einem Zeckenstich nimmt mit der Dauer des Saugkontaktes über 24 Stunden und länger zu. Das Risiko einer Infektion mit Borrelien nach dem Biss einer Zecke wird auf 10% geschätzt, während eine Erkrankung nur in 2-4% zu erwarten ist. Im Kindesalter bietet diese Erkrankung eine Vielzahl von Symptomen, die an verschiedenen Organsystemen auftreten können. Am häufigsten sind Hauterscheinungen, die sogenannte "Wanderröte" und das "Borrelien-Lymphozytom". Die
Wanderröte (= erythema migrans) bildet sich etwa nach 1 bis 3 Wochen um den Zeckenstich herum:
Das
Lymphozytom (= lymphadenitis cutis benigna)
zeigt sich als Rötung mit Hautverdickung und findet sich besonders gern an den Ohrläppchen,
den Brustwarzen und am Hodensack. Es ist als Hauterscheinung sehr Dieses Stadium der Wanderröte bzw des Lymphozytoms zu erkennen ist besonders wichtig, da hier eine frühe antibiotische Behandlung eine schnelle Besserung bringt. Insbesondere genügt es, das notwendige Antibiotikum oral zu verabreichen, in einem späteren Stadium ist dies nicht mehr ausreichend: hier muss intravenös behandelt werden. Neben diesen lokalen Erscheinungen auf der Haut, die mitunter auch infizierten Insektenstichen ähneln können, kann es im Stadium der Bakterienaussaat - ins Blut und in die Organe - zu Gelenksentzündungen kommen. Hier sind im Kindesalter vorwiegend die Kniegelenke (Kniegelenksergüsse) betroffen. Des weiteren werden vor allem Gehirn und Nerven befallen, es kommt zur sogenannten Neuroborreliose. Diese Neuroborreliose bei Kindern ist gekennzeichnet durch Lähmungen vorzugsweise des Gesichtsnerves (= Facialisparese) oder selten auch anderer Hirnnerven. Auch leichte Hirnhautentzündungen kommen isoliert vor oder sind kombiniert mit Nervenlähmungen. Der Befall anderer Organe -aber sehr viel seltener- finden sich an Augen, Herz und Muskeln. In diesem Stadium der Infektion (=Generalisierung) ist eine intravenöse antibiotische Behandlung notwendig, die mindestens 2 Wochen lang andauern muss. Die Heilungsaussichten sind im Kindesalter gut, weniger günstig aber im Erwachsenenalter. Hier gibt es immer wieder chronische Verläufe: das oben beschriebene Hautphänomen (=akrodermatitis chronica atrophicans), Hirnleistungsstörungen und Gelenksveränderungen. Oft ist die Diagnose nicht schnell zu stellen, weil -ähnlich wie bei der FSME- das Ereignis des zurückliegenden Zeckenbisses nicht mehr erinnerlich ist und man immer noch zu wenig an die Borrelieninfektion denkt. Wenn die Krankheitserscheinungen nicht eindeutig auf eine Borrelieninfektion hindeuten, müssen exakte Laboruntersuchungen im Blut und im Liquor (=Rückenmarksflüssigkeit), die die Antikörperbildung nach dieser Infektion widerspiegeln, durchgeführt werden. Die Interpretation dieser Laborbefunde ist mitunter nicht einfach, so dass zur endgültigen Klärung der Diagnose einige Zeit verstreichen kann.
Natürlich zuallererst - wie im Thema "FSME" besprochen - die Zecke mittels Pinzette bzw Zeckenzange korrekt entfernen bzw entfernen lassen. Danach ist es besonders wichtig, die Hautgegend um den Stich herum in den nächsten Tagen und Wochen zu beobachten. Bei einer verdächtigen Rötung um die Stichstelle, aber auch in der weiteren Umgebung, einem eventuellen blassen Hof in der entstandenen Rötung, sollte man den Arzt aufsuchen, um eventuell frühzeitig das Stadium einer Wanderröte zu erkennen. Bei verdächtigen Veränderungen an den Ohrläppchen, den Brustwarzen und dem Hodensack immer an mögliche Zeckeneinwirkungen denken! Leider ist es ja oft so, dass viele Eltern - wenigstens in unserem Breiten, die an FSME-Risikogebieten angrenzen, - sehr sensibilisiert sind auf mögliche FSME- Erkrankungen, also vorwiegend nur an den virusbedingten Infektionsweg bei stattgehabten Zeckenbiss denken und sich oft -da ihr Kind ja vielleicht geimpft ist- in falscher Sicherheit wiegen. Gegen die Borrelieninfektion gibt es in Deutschland noch keine Impfung (eine solche ist in den letzten Monaten auf den amerikanischen Markt gekommen). Eine antibiotische Behandlung aber hat nach wie vor gute Heilungschancen bei Kindern. ein Krankheitsbericht mit ausführlichen Informationen *** 3 Abbildungen habe ich aus dem Maiheft des "Hauner Journal" (Hauner'sches Spital = Universitätskinderklinik in München), einer sehr schönen redaktionellen Einrichtung entnommen, die freundliche Genehmigung der Autoren stillschweigend voraussetzend.*** |