FSME ...


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..die Früh-Sommer-Meningo- Enzephalitis ist eine Erkrankung, die eigentlich sehr selten auftritt. Sie wird aber in unseren Breiten durch Medien wie Fernsehen und Zeitung so häufig erwähnt, dass man sich mit diesem Krankheitsbild auseinandersetzen muss.
Die FSME zählt in Europa neben der Borreliose (s."Infektionen") zu den wichtigsten durch Arthropoden (Gliederfüßler) übertragenen Erkrankung des Nervensystems. Der Erreger, ein neurotropes Virus, wurde zunächst in Österreich später auch in Deutschland in Zecken nachgewiesen. In den letzten Jahre wurden immer wieder Krankheitsfälle in Bayern und in in den letzten Jahren zunehmend in Baden-Württemberg beschrieben (s. Abbildung, die die Häufigkeit von FSME- Erkrankungen in Deutschland bis zum Jahr 2000 grafisch darstellt. Die dunkel bzw schwarz eingezeichneten Gebiete gelten als Hochrisikogebiete).
In Europa gibt es Gebiete, (z.B. Kärnten, Elsaß, viele "Ostblockländer", auch Südschweden und Finnland) in denen die Zecken mit diesem Virus befallen sind. Risikogruppen waren schon immer Land- und Forstwirte, Jäger, Wald- und Straßenarbeiter. Aber natürlich sind es auch Menschen, die sich bei ihren Freizeitaktivitäten (Zelten, Radeln,Wandern u.ä.) von diesem Zecken (ixodes ricinus="gemeiner Holzbock") anstecken können. Dabei fällt dieser Holzbock nicht vom Himmel und auch nicht von den Bäumen, sondern wird meistens im Gebüsch aufgeschnappt bzw abgestreift, was wir ja von unseren Haustieren kennen, bei denen dieser unliebsame Gast sich ganz regelmäßig wiederfindet.
Die Inkubationszeit beträgt etwa 6-14 (3-21 Tage). Die Erkrankung erfolgt meist 2-phasig, wobei die erste Phase mit den Symptomen einer banalen Erkältung einhergeht. Nach einem meist beschwerdefreien Intervall kommt es dann zu den Komplikationen von Seiten des Gehirns und der Nerven, die der Erkrankung ihren Namen gegeben haben: Hirnhautentzündung, Hirnentzündung, Hirnnervenlähmungen, Bewusstseinstörungen u.ä. Die Diagnose wird gestützt durch den Nachweis von FSME-spezifischen Antikörper im Blut und im Liquor (=Rückenmarksflüssigkeit). Der ursächliche Zusammenhang mit einem Zeckenbiss ist -ähnlich wie bei der Borreliose- häufig nicht immer eindeutig herzustellen. Der Ausgang der Erkrankung ist im Kindesalter oft sehr viel günstiger als im Erwachsenenalter. Dort werden über bleibende Restschäden nach durchgemachter Infektion berichtet. Vielen Fällen gemeinsam sind psychische Störungen wie verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Koordinationsstörungen, die über Monate lang anhalten können. Eine spezifische Therapie gibt es nicht.
Nicht jeder Zeckenbiss infiziert den Menschen mit diesem Virus und nicht jede Infektion mit dem FSME-Virus führt zur Erkrankung. Die Kenntnisse darüber sind nach wie vor unzureichend. Man nimmt an, dass etwa 10 % der infizierten Menschen eine FSME-Erkrankung bekommen. In einer neuen Studie Freiburger Forscher wird geschätzt, dass in einem Hochrisikogebiet wie z.B. dem Dreisamtal im Schwarzwald es bei etwa jedem 1000. bis 2000. Zeckenstich zu einer FSME kommt (Epid.Bull.12/99,76).
Also, was tun.?
Wie immer ist die Vorbeugung am wichtigsten. Da ja die Zecken in unseren Landen zwei Erkrankungen hervorrufen (FSME und Borreliose) lohnt es sich allemal, bei Streifzügen durch die Büsche und Wälder das richtige Schuhwerk und vor allem die geeigneten Beinkleider zu tragen. Kleidung möglichst hell und einfarbig, die langen Hosenbeine in die Socken stecken! Bei Kleiderwechsel Körper nach möglichen Zecken absuchen. Findet man einen Zecken, diesen hautnah am Kopf mit einer spitzen Pinzette fassen und vorsichtig - unter Umständen mit einer Drehbewegung - herausziehen. Hier muss man wissen, dass die FSME-Viren im Speichel sich befinden, währenddessen die Borrelien sich überwiegend im Darm. Bei einer frühzeitigen Entfernung der Zecke ist also die Gefahr einer Borrelienübertragung wesentlich geringer. Wenn Kopf und Körper der Zecke entfernt sind, ist ein weiteres Entfernen von Mundwerkzeugen oder Gliedmaßen nicht mehr notwendig. Es ist sicher unnötig, die Zeckenreste mit großzügigen chirurgischen Schnitten zu entfernen. Die Natur hilft sich da selber und der Fremdkörper arbeitet sich in der Regel an die Oberfläche. Allenfalls eine Desinfektion der Zeckenstichstelle ist hier vonnöten. Zur Entfernung der Zecken ist das Benutzen von Klebstoff, Nagellack o.ä. nicht mehr zeitgemäß, da die Möglichkeit besteht, dass sowohl Speichel als auch Darminhalt noch schnell abgesondert werden können.
Eine FSME-Schutzimpfung ist bei allen Risikogruppen (Waldarbeiter, Jäger, Forstleuten u.ä. ) zu empfehlen, die in einem für FSME-Erkrankungen bekannten Risikogebiet sich aufhalten. Dies gilt auch für Kinder und Erwachsene, die sich in solchen Gebieten aufhalten. Wobei das Impfen der Erwachsenen, da hier die Erkrankung ernster verläuft, eigentlich noch wichtiger ist als bei Kindern. Aber meist verhält es sich umgekehrt:  nur die Kinder werden geimpft. Der Impfplan sieht zwei Impfungen im Abstand von etwa 6 Wochen vor (=Grundimmunisierung) Die erste Auffrischimpfung erfolgt nach 9 bis 12 Monaten. Erst jetzt ist ein bleibender Schutz vor Erkrankung gegeben, dieser bleibt 3-5 Jahre erhalten, so dass nach diesem Zeitpunkt erneut aufgefrischt werden sollte.
Es gab auch eine passive Immunisierung, bei der ein Serum verabreicht wurde, welches FSME-Antikörper von ehemals Erkrankten enthielt. Bei Kindern unter 14 Jahren wird dieses Serum nicht mehr verabreicht, da ein Zusammentreffen von schweren FSME-Erkrankungen und der gleichzeitigen Durchführung einer passiven Immunisierung bei Kindern beobachtet wurde. Sicherlich ist es schwierig, hier Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten. Nichtsdestotrotz hat das Paul- Ehrlich- Institut beschlossen, die passive FSME-Immunisierung bei Kindern unter 14 Jahren nicht mehr zu empfehlen.
Auch war die Gabe von passivem FSME- Impfstoff streng zeitlich gekoppelt an den letzten Zeckenstich, der nicht länger als 98 Stunden zurückliegen durfte. Häufig aber war in der Krankenvorgeschichte gar kein Zeckenstich zu eruieren, so dass die Möglichkeit einer passiven Immunisierung schon immer ein unsicherer Weg war, diese Erkrankung zu verhindern.
Es geht also heute fast nur mehr um eine aktive Immunisierung, d.h. also um die FSME-Impfung.
Meine persönliche Meinung: Die FSME-Impfung war, zumal sie sehr gut vertragen wurde, eine "Kann"-Impfung. Ich halte sie nur in bekannten Risikogebieten für notwendig, nehme aber Rücksicht auf die Ängste von Eltern und impfe, auch wenn ich manchmal von der Notwendigkeit nicht überzeugt bin. Im Münchner Großraum beispielsweise ist in meinen Augen die Impfung nicht angezeigt. Trotzdem ist bei der heutigen Mobilität ein Aufenthalt in gefährdeten Gebieten schnell möglich und da ist es dann sehr beruhigend, wenn man bei Geimpften infolge eines Zeckenbisses nicht gleich besorgt zum Arzt gehen muss. Im übrigen machen die bayerischen Schulen bevorzugt ihre Schullandaufenthalte im beliebten Bayerischen Wald -einem ausgewiesenen Zeckenrisikogebiet- und sofort haben wir die aktuelle Problematik einer durchzuführenden Impfung zu bedenken.

Ende Juni 1999 wurde in den Münchner Zeitungen von einem FSME-Krankheitsfall berichtet, der nach Angaben des Gesundheitsamtes sich im Dauchauer Landkreis (zwischen Karlsfeld und Oberschleißheim) infiziert hat. Vor einigen Jahren sind 2 Fälle aus dem Gebiet um Schrobenhausen und Pfaffenhofen/Ilm bekannt geworden.

NEU: Der neue Impfstoff "TicoVac" der Firma Baxter macht bzw. machte starke Fieberreaktionen, die bei der bisherigen FSME- Impfung nicht aufgetreten waren. Er ist inzwischen aus dem Handel gezogen worden, so dass es keinen Impfstoff mehr für Kinder bzw Jugendliche unter 12 Jahren gibt (23.4.2001).
Im Moment haben wir also keinen gut verträglichen Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zur Verfügung! Das ist deswegen nicht so  tragisch, weil bei der Auswertung von FSME- Fällen im Kindesalter diese Erkrankung in aller Regel ohne bleibende Schäden auskuriert wurde. Nach Erhebungen des Paul- Ehrlich- Instituts konnte herausgefunden werden, dass beispielsweise in den Jahren 1997 und 1998 keine einzige FSME- Erkrankung schwer verlaufen ist. Es wurden keine bleibende SCHÄDEN des Zentralnervensystems bekannt.


Epidemiologisches Bulletin vom 20. April 2001/Nr.16

April 2002
Zwei Neuerungen bezüglich der Zecken- Impfung sind zu notieren.
  • Es gibt wieder eine FSME- Impfung für Kinder ab dem 1. Lebensjahr
  • die Krankenkassen zahlen die FSME- Impfung nur noch bei Patienten, die in Hochrisikogebieten wohnen. Da Oberbayern mit München nicht mehr zu diesen Risikogebieten zählt, werden die Kosten der Impfung auch nicht mehr übernommen.
  • mit folgenden Ausnahmen: 
  • Bereits begonnene Impfungen können als Kassenleistung beendet werden; der Impfstoff ist über Sprechstundenbedarf zu beziehen.
    Über Sprechstundenbedarf bezogene Impfstoffe, die bereits in den Praxen vorgehalten werden, können verbraucht werden.
    Für eine Kostenübernahme ist der Wohnort des Versicherten ausschlaggebend; nicht der Sitz des Arbeitgebers.
    Städte, die innerhalb der gefährdeten Landkreise liegen, gelten ebenfalls als Risikogebiet.
    Die Kassen haben eine Kostenübernahme bei Versicherten, die grenznah zu den gefährdeten Gebieten wohnen, zugesagt.
  • Juli/ August 2002:  Inzwischen werden sowohl von den Ersatzkassen, die den Anfang machten als auch- etwas verspätet, aber Konkurrenz belebt das Geschäft! - von den RVO- Kassen die Kosten für die FSME- Impfung auch in den Nicht- Risikogebieten wieder übernommen.