Windpocken ...


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... sind wirklich eine harmlose Kinderkrankheit. Natürlich gibt es auch bei Windpocken unangenehme Komplikationen, die aber sehr selten sind: cerebelläre (vom Kleinhirn ausgehend) Störungen, die zu bleibenden Hirnschäden führen können. Im Vordergrund stehen aber Windpockenbei dieser eigentlich harmlosen Kindererkrankung allenfalls pflegerische Probleme, die insbesondere im Schleimhautbereich auftreten können.

Hier gibt es zwar auch eine wirksame und gut verträgliche Impfung. Diese ist aber schwer erkrankten Kindern, die beispielsweise mit Cortison oder Zytostatika behandelt werden, vorbehalten. Auch Kinder mit einer schweren Neurodermitis dürften zu diesem Personenkreis gehören. Am besten ist es, die Kinder bekommen ihre Windpocken im Kindergarten und das ist in der Regel auch so. Im Erwachsenenalter können die Varizellen recht unangenehm sein und benötigen doch oft volle 2-4 Wochen zur vollständigen Ausheilung. Ein im Leben und im Beruf Unentbehrlicher wird sich also im Erwachsenenalter eher impfen lassen! Natürlich auch die junge Frau mit Kinderwunsch, die in der Kindheit die Windpocken nicht gehabt hat.


Die Gürtelrose

ist eine Erkrankung mit demselben Virus, welches sich streng an das Versorgungsgebietes eines Hautnerves hält (deswegen "Gürtelrose") ; sie befällt ältere Menschen, die sich in der Kindheit bereits mit Windpocken angesteckt haben. Nicht selten werden abwehrgeschwächte Personen erneut infiziert.

Wenig bekannt ist, - auch wird diese Tatsache selten in Lehrbüchern gefunden - daß auch im Kindesalter beide Erkrankungen in relativ kurzem Abstand vorkommen können. Jedem praktizierenden Kinderarzt ist geläufig, daß beispielsweise derselbe Patient im Kleinkindesalter an einer Infektion Gürtelrose mit Windpocken und einige Jahre später im Kindergartenalter oder frühen Schulalter an einer Gürtelrose ("herpes zoster") erkranken kann. In jüngster Zeit habe ich sogar zwei Erwachsene erlebt, die glaubhaft ein zweites Mal Windpocken durchgemacht haben. Da wäre eine wissenschaftliche Erklärung sehr interessant!

Der kleine Säugling bekommt von seiner Mutter, wenn diese Windpocken gehabt hatte, einen sogenannten Nestschutz und kann in den ersten Lebensmonaten (etwa 4.-6.Monat) keine Windpocken bekommen. Gefährlich werden die Windpocken für das Neugeborene, wenn seine Mutter am Ende der Schwangerschaft - um den Entbindungstermin herum - selbst an Windpocken erkrankt. Insbesondere, wenn die mütterlichen Windpocken vier bis fünf Tage vor bzw bis 2 Tage nach der Entbindung auftreten, ist die Gefahr für das Neugeborene, schwere Windpocken zu bekommen, am höchsten. Die Windpocken sind dann für den jungen Säugling lebensbedrohend, da das Immunsystem noch schwach und unreif und die Abwehrsituation durch die fehlenden mütterlichen spezifischen Antikörper somit besonders ungünstig ist.

Eine "Varizellenembryopathie" (eine Organschädigung des ungeborenen Lebens durch eine Windpockeninfektion der Mutter) ist erfreulicherweise sehr selten, da offenbar das Varizellenvirus nur ausnahmsweise auf den Feten übertreten kann. Verkürzungen von Gliedmaßen mit Fehlbildungen der Zehen sowie segmentale Anordnung von Hautnarben des betroffenen Gliedes neben allgemeinen Embryopathiesymptomen (= Fehlbildungen der Organe wie Herz, Nieren u.a. beim Fetus) wurden beschrieben (zit. aus Lehrbuch "Pädiatrie in Praxis und Klinik"). Erfolgt eine Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft, werden gewöhnlich gesunde Kinder geboren.
Während meiner praktischen Tätigkeit habe ich noch nie ein Kind mit einer derart definierten, durch Windpocken in der Schwangerschaft erlittenen Erkrankung erlebt.

Nachtrag im Februar 2000: Aus den angelsächsischen Ländern wird insbesondere bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen die Windpockenimpfung propagiert. In England und Wales waren bereits 25 % der an Windpocken erkrankten und 74 % der Todesfälle über 14 Jahre alt. In den USA wird eine Windpockenimpfung auch bei Kindern generell empfohlen, damit eine Verlagerung in höhere Altersgruppen reduziert wird. Etwa 10 % der Frauen haben im gebärfähigen Alter keine ausreichenden Antikörper gegen Windpocken, so dass auch diese Personengruppe besonders für eine Impfung anvisiert wird. Vorstellbar wäre, dass auch in Deutschland bei Jugendlichen (die in der Kindheit keine Windpocken durchgemacht haben) eine Varizellenimpfung eingeführt wird. Möglich ist diese heute ja bereits auf freiwilliger Basis, wenngleich die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen noch nicht erstattet werden. 

Das Problem ist: Je mehr geimpft wird, desto mehr schwindet die Chance sich mit Windpocken natürlich anzustecken. Im Moment infizieren sich etwa 80 - 90 % aller Kinder, vorzugsweise im Kindergartenalter. Das ist auch gut so. Im Erwachsenenalter ist die Rate von ernsthaften Komplikationen etwa 10 bis 20 mal häufiger. Hier ist eine Impfung sehr überlegenswert. Sinnvoll wäre eine Windpockenimpfung, die kombiniert werden könnte mit einer Diphtherie-Tetanus-Polio-Impfung, da diese Auffrischimpfung im Erwachsenenalter sowieso in Vergessenheit zu geraten droht.

Ganz aktuell: neueste Ausgabe des Robert- Koch- Institutes aus dem Epidemiologischen Bulletin vom 14. März 2003 Ausgabe 11/2003: Allgemeine Impfung gegen Windpocken?

In der neuesten Ausgabe des "Epidemiologischen Bulletins" des Robert- Koch- Instituts ( 43/2003 vom Oktober 2003)  wird von einem Todesfall eines 37- jährigen Vaters berichtet, dessen beide Kinder im Kindergarten an Windpocken erkrankten. Dieser tragische Fall unterstreicht die Gefährlichkeit einer Windpockeninfektion im Erwachsenenalter. Gleichermaßen ist klar, dass eine frühzeitige Impfung in den ersten drei Tagen nach Ausbruch der Windpocken sinnvoll und notwendig ist, wenn in der Kindheit keine Windpocken durchgemacht wurden.
Die von der STIKO (Ständigen Impfkommission) empfohlene Impfung für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren, sowie für manche Risikogruppen sollte dahingehend ausgeweitet werden, dass Erwachsene, die früher keine Windpocken erlitten haben, bei Kontakt mit Windpockenerkrankten eine sogenannte Riegelungsimpfung erhalten, d.h. eine Varizellenimpfung so früh wie möglich nach möglichen Kontakt mit einem Infizierten.
Noch sinnvoller wäre eine generelle Windpockenimpfung bei allen Erwachsenen, die in der Kindheit nicht an Windpocken erkrankt sind.