Gehirnerschütterung


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Bei einer "commotio cerebri" kommt es infolge eines ""Schädel-Hirn-Traumas; zu einer Bewusstseinstörung, die keine anatomischen Folgeschäden am Gehirn hinterlässt. Der Grad der Bewusstlosigkeit kann von tiefer Bewusstlosigkeit bis zum diskreten Dämmerzustand reichen. Beim größeren Kind ist das sich nicht Erinnern an den Unfallhergang typisch (sogenannte prätraumatische oder "retrograde Amnesie" ), es umfasst die Zeitspanne der vorangegangenen Geschehnisse bis zum Unfallereignis, wobei der Gedächtnisausfall wenige Sekunden bis einige Minuten umfassen kann.

 Bei der posttraumatischen bzw  "anterograden Amnesie" dauert der Erinnerungsverlust vom Unfallereignis bis zu dem Zeitpunkt, von welchem eine lückenlose Erinnerung wieder besteht. Sie dauert in der Regel über die Zeit der eigentlichen Bewusstlosigkeit hinaus. Danach ist das Kind oft blass, manchmal apathisch, mitunter auch erregt. Häufig wird nach dem Aufwachen erbrochen, Kleinkinder fallen gerne in einen kurzen Tiefschlaf.

Das wichtigste Kriterium ist bei einer Gehirnerschütterung , dass keine fassbare bleibende Schädigung des Nervensystems bei der Untersuchung festzustellen ist. Der Gesundheitszustand muss sich stetig stabilisieren und die alte Vitalität sich wieder einstellen. Kopfschmerzen, Übelkeit, auch Erbrechen sollten Anlass sein für weitgehende Schonung mit Bettruhe und Beobachtung. Noch 2-3 Tage sollte bei vollkommener Beschwerdefreiheit die Bettruhe eingehalten werden und auch bei anschließender Mobilisierung keine Beschwerden mehr auftreten.Das ist für das Schulkind kein Problem, beim quirligen Kleinkind wird eine so verordnete Bettruhe schon sehr problematisch. 

In der Praxis gibt es alle Übergänge von der leichten Schädelprellung ohne Bewusstseinsverlust bis zur echten Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit und Erbrechen als wohl markantesten Symptomen. Vor allem bei Kleinkindern ist es bisweilen schwer, eine genaue Differenzierung zu machen. Die Bewusstlosigkeit - wenn überhaupt vorhanden - wird sehr schnell von Schreien abgelöst. Auch das spätere Erbrechen kann manchmal eher als psychisch - durch die Aufregung hervorgerufen - interpretiert werden und muss nicht Symptom einer schwereren Kopfverletzung sein. Hier hilft in vielen Fällen nur eine gute Beobachtung, eine erfahrene Einschätzung der erlittenen Schädelverletzung, wenn kein genauer Unfallhergang bekannt ist. So wird ein Sturz vom Sofa anders zu beurteilen sein, als ein Sturz aus dem Hochbett. Obwohl der Untersuchungs- und Symptomenbefund durchaus der gleiche sein kann.

Die "contusio cerebri" (=Hirnquetschung)  ist die ernstere und schwerere Verlaufsform eines Schädel-Hirn-Traumas, bei der nach dem Unfall neurologisch flüchtige oder auch anhaltende Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen oder auch cerebrale Anfälle auftreten können. Auch die Bewusstlosigkeit hält in der Regel länger an.

Die  "compressio cerebri" (=Hirnquetschung mit Hirnduckzeichen)  ist bereits ein sehr ernstes und lebensbedrohliches Krankheitsbild, welches eine Intensivbehandlung in der Klinik erforderlich macht. Hier ist u.U. ein neurochirurisches Vorgehen notwendig.

Sind diese letztgenannten Formen des Schädel-Hirntraumas unbedingt krankenhauspflichtig, kann man nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma von Schädelprellung bis hin zur leichten Gehirnerschütterung von einer Krankenhausvorstellung Abstand nehmen, wenn eine genaue Beobachtung und eine Rücksprache mit dem betreuenden Kinderarzt oder Hausarzt gewährleistet ist.
Die in den Krankenhäusern immer noch häufig durchgeführten Röntgen-Aufnahmen des Kopfes sind durchaus entbehrlich und werden von fortschrittlichen Kinderkliniken auch nicht mehr durchgeführt. Diese sind allenfalls angebracht, wenn ein starker Verdacht auf eine Schädelfraktur mit lokalisierter äußerer Blutergussbildung besteht. Z.B. gibt es immer wieder Schädelfrakturen bei Säuglingen, die vom Wickeltisch fallen und eine kräftige Beule am seitlichen Schädel haben. Ist diese Beule eher auf der Stirn oder im Gesichtsbereich, bleiben die Schädelknochen erfahrungsgemäß  intakt.

Leider gibt es auch die gefürchteten Hirnblutungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma, das  "subdurale Hämatom"  und das "epidurale Hämatom" , wobei letzteres das gefährlichere ist. Die Blutung liegt zwischen dem Schädeldach und der harten Hirnhaut und kann noch nach einem Intervall von mehreren Stunden, ja bis zu 1-2 Tagen zur Hirndrucksteigerung mit allen möglichen Komplikationen führen. Hier nützt nur ein sofortiges operatives Entlasten des Hirndrucks. Beim subduralem Hämatom liegt die Blutung zwischen harter  und weicher Hirnhaut. Hier sind die Folgesymptome eher chronischer Natur. Auch noch nach Monaten ist manchmal eine operative Entfernung der Blutung notwendig.

Säugling nach Gehfreisturz mit schwappendem  Kopfschwartenbluterguss und epiduraler Blutung (weiße bogenförmige Struktur im Computertomogramm)
aus: Beilage zum Kinder- und Jugendarzt 33. Jg 2002/6

Epi- und subdurale Blutergüsse sind sicher selten und trotzdem muss man an eine solche Komplikation immer denken, insbesondere wenn ein Kind nach einer relativ guten Erholung nach einem Unfall plötzlich wieder sich verschlechtert, erbricht, im Bewusstsein wieder eintrübt.
Unfälle im Schädelbereich sind deswegen immer ein gewisses Risiko auch für den ambulant behandelnden Arzt, der gerne dem Kind und den Eltern den stressigen Aufenthalt im Krankenhaus ersparen will. Man muss aber auch die Haltung des Krankenhausarztes verstehen, bei dem die Vorsicht das medizinische Vorgehen diktiert und von dem immer eine stationäre Aufnahme angestrebt wird, um wenigstens die Überwachung der vitalen Funktionen in den nächsten 1-2 Tagen zu übernehmen.

siehe auch unter Bildergalerie! und Auszug aus Übersichtsartikel im Hauner- Journal