Jactatio Capitis


Somnambulismus | Pavor nocturnus | Jactatio capitis


jactatio capitis = Kopf (Körper) werfen

Stereotypische, streng rhythmische Bewegungen des Kopfes und des Körpers werden relativ häufig angetroffen {jactatio capitis= Werfen des Kopfes, jactatio corporis= Werfen des Körpers} . Es sind besonders beim Einschlafen ausgeführte Bewegungen, wobei der Kopf von einer Seite auf die andere rhythmisch gedreht wird, manchmal folgt auch der ganze Körper bzw. Oberkörper diesem rhythmischen Bewegungsmuster. Auch im Sitzen wiegen die Kinder den Oberkörper vor und zurück. Eine richtiggehende Bewusstseinsstörung liegt nicht vor, ein Ansprechen ist in diesem Zustand immer möglich. Wohl aber kann das Kind in diesem Bewegungsmuster wie in einer Trance verharren, von der Umwelt isoliert sein. Selbstberuhigende, einschläfernde, aber auch selbstbefriedigende Elemente spielen sicher eine Rolle. Auch die Vorstellung, dass die Kinder sich selbst in den Schlaf zu wiegen versuchen, ist sicher nicht falsch. Wir kennen alle die erschütternden Bilder aus den rumänischen Kinderheimen, in denen die abgeschobenen Kinder - gesund oder entwicklungsgestört - allesamt stereotypisch in Bewegungen verharrt waren, nicht unähnlich einem im Käfig gehaltenem Raubtier. Bei normal entwickelten Kindern wird man bei dieser psychischen Verhaltensauffälligkeit immer nach einer Deprivation (seelischem Mangelzustand) fahnden, einem emotionalen Mangel an Liebe und Zuneigung. Bei Heimkindern ist diese psychische Besonderheit besonders ausgeprägt. Aber auch in Familien können Spannungen und Überforderung der betreuenden Erziehungspersonen zu solchen Störungen der Einschlafphase führen, die sicherlich auch Parallelen zu kindlichen Onanien, zu lustbetonten Schaukeln und Wiegen bis hin zum selbstgefundenen Einschlafritus zeigen.