Pseudoseptisches Krankheitsbild


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  • Hohes Fieber über 6-7 Tagen

  • extreme bakterielle Entzündungszeichen

  • Leukozytose (weiße Blutkörperchen) zwischen 20 000 und 40 000

  • Sturzsenkung (Blutsenkung in der ersten Stunde über 100 mm/h)

  • extreme Erhöhung des CRP ( =C-Reaktives Protein als Indikator einer bakteriellen Infektion)

  • a1 und a2- Erhöhung in der Elektrophorese  

  • spontaner Heilungsverlauf

Achtung!

Im Klinik- und mehr noch im Praxisalltag gibt es immer wieder Krankheitsverläufe, die einen im höchsten Maß beunruhigen, in ihrer Intensität und Unerbittlichkeit überraschen und um das geundheitliche Wohl des Kindes bangen lassen. Das Kind wirkt schwerkrank, hinzu kommen alarmierende Laborbefunde, die die Sorge um das Wohlergehen des Kindes umso berechtigter erscheinen lassen. Darüberhinaus fehlen äußere Infektzeichen wie Husten, Schnupfen und ähnliches gänzlich, so dass man bereits hier an etwas Seltenes z.B. an eine Blutvergiftung ( =Sepsis), eine nicht sicht- und hörbare Entzündung wie Osteomyelitis ( =Knochenentzündung), Pyelonephritis( =Nierenbeckenentzündung) oder sogar Leukämie( =Blutkrebs) oder an irgendeine schwerverlaufende seltene Infektionserkrankung denken muss.

Im Jahre 1995 habe ich ein damals 6-jähriges Mädchen behandelt, welches in der Vorgeschichte keine besonderen Erkrankungen aufzuweisen hatte. Im Kleinkindesalter aber häufige Mittelohrentzündungen, die zu einer Adenotomie ( Rachenmandel- Entfernung) führte. Plötzlicher Beginn der Erkrankung mit hohem Fieber, mehrmaliges Erbrechen, Klagen über Kopfschmerzen. In den nächsten Tagen weiterhin hohes Fieber, welches gut auf Paracetamol ansprach. Klagen über flüchtige Schulterschmerzen, kurz auftretender Ausschlag am ganzen Körper. Nasenbluten und weiter Klagen über Kopfschmerzen. Fieber über 40 Grad, leichtes Hüsteln, zeitweise Missempfindungen an Handinnenflächen und Fußsohlen. Klinikeinweisung mit der Verdachtsdiagnose: Blutvergiftung (= Sepsis).
Verlauf: Die Röntgenaufnahme der Brustorgane war unauffällig. Untenstehende Laborwerte der Blutuntersuchung. Noch 2 Tage hohes Fieber in der Klinik, Entfieberung und langsame Besserung des Allgemeinbefindens. Fieber insgesamt 6/7 Tage. Keine Antibiotikagabe, schnelles Zurückgehen der hohen Entzündungswerte im Blut. Klinikdiagnose: Hochfieberhafter Infekt, Verdacht auf Vaskulitis ( will heißen: unbekannte Gefäßerkrankung in Richtung rheumatisches Fieber). In der Folgezeit immer gesund bis heute.

Im Jahre 1993: ein 3 1/2 jähriger Junge, der bisher ebenfalls ganz gesund war. 3 Wochen nach einer Streptokokkenangina, die mit 10 Tagen Penizillin V behandelt wurde, erneut hohes Fieber für 3-4 Tagen, danach erhöhte Temperaturen bis 38,5 Grad. Klagen über Übelkeit, Müdigkeit und Schlaflosigkeit. Fieber wieder ansteigend, Allgemeinbefinden sehr geschwächt, gelblich-fahle Hautfarbe. Eingewiesen in die Klinik mit Verdachtsdiagnose Leukämie.
In der Klinik Röntgenaufnahme der Brustorgane unauffällig, weiße Blutkörperchen gesunken, kein Anhalt für Krebszellen im Blut. Entlassen ambulant mit den Diagnosen: Fieber unklarer Ursache, Verdacht auf bakterielle Infektion, Ausschluß Lungenentzündung. Auch hier schnelle Normalisierung der Entzündungswerte im Blut, langsame Besserung des Allgemeinbefindens, keine Antibiotikabehandlung. Weiterhin gesundes Kind.

Im Oktober 1999 erkrankte ein gut 2-jähriges Mädchen, nachdem eine Brechdurchfallserkrankung überstanden war, an hohem Fieber. Keine äußeren Infektzeichen, hohes Fieber über 40 Grad, gut auf Paracetamol ansprechend. Am 4. Erkrankungstag wurden unten aufgeführte Blutwerte erhalten, Stuhl und Urinuntersuchungen blieben negativ. Eine Röntgen-Aufnahme der Brustorgane in der Kinderklinik zeigte keinen krankhaften Befund. Nach insgesamt 8 Tagen hohem Fieber spontane Entfieberung und langsame Besserung des Allgemeinbefindens. Eine Kontrolluntersuchung zeigten die Blutwerte unauffällig, die Blutarmut (Hämoglobinwert von 9,9 g%) hatte sich ebenfalls mit 12,0 g% normalisiert.

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

B K S (Blutkörperchensenkung)

C R P (C-Reaktives Protein)

a1- und a2- Globulin in der Elektrophorese

Leberfermente und Nierenwerte

Spezialuntersuchungen auf Viren

27 500

130 mm/h

46,6 mg/dl

a1= 6,2%a2= 15,7%


normal

normal

35 000

100 mm/h

15,9 mg/dl

a2= 16,5%


normal

normal
30 500

110 mm/h

39,1 mg/dl

a1=6,5%a2=16,8%


normal

normal

Allen drei Fällen ist gemeinsam, dass äußere Infektzeichen fehlten. Kein Husten, kein Schnupfen, keine lokalisierte Schmerzen; nur Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit dominierten. Das hohe Fieber sprach gut auf Paracetamol- Gaben an, die massiv erhöhten Entzündungszeichen ließen in allen drei Fällen eine stationäre Überwachung, bzw. eine ambulante Kontrolluntersuchung in der Kinderklinik angeraten erscheinen. Nach etwa 6-8 Tagen kam es zur spontanen Entfieberung ( ein Kind hatte in der Klinik wegen einer fraglichen Lungenentzündung Erythromycin erhalten, fieberte aber trotzdem noch weitere drei Tage unbeeinflusst weiter).