Medikamentenbudget 99Zwei / Mehrklassenmedizin | Aktuelle Situation | Medikamentenbudget 99 | Vergreisung der Gesellschaft | Zeitbombe Mensch | IGeL-Leistungen | Kostenexplosion 1996- 2001 Nicht nur zum Ausfüllen des politischen Sommerlochs wurde in den Zeitungen
und Medien wieder viel über das zu teure Gesundheitswesen am Beispiel der um
16 % angestiegenen Medikamentenausgaben (im ersten Halbjahr 1999 gegenüber
1998) geschrieben. Dieses Problem wird uns bis zum bitteren Jahresende
begleiten. Da abzusehen ist, daß die Obergrenze der Die Apotheker denken an den Umsatz, die Krankenkassen buhlen um zufriedene Mitglieder und die Ärzte sind die Dummen, die für Ausgabenüberschreitungen geradestehen müssen. Am Rezeptieren von Medikamenten verdient der Arzt ja nun wirklich nichts! Schlimmstenfalls biedert er sich durch großzügiges Aufschreibverhalten dem Patienten an. Der springende Punkt ist eine zu schaffende Medikamentenliste, die auflisten muß, welche Medikamente zu erstatten sind und welche nicht, welche Medikamente wirken und welche nicht. Dem stehen vehement Pharmaindustrie oder auch Apotheken im Wege, die um ihre Pfründe bangen. Gerichte werden bemüht. Hier kommt es einfach zu keiner Einigung. Die Medizin hat sich bereits krakenförmig viele Heilmethoden geschaffen, die alle auch bezüglich ihrer anzuwendenden Medikamente auf deren Wirksamkeit pochen. Und wer wollte auch gegen die homöopathischen, naturheilkundlichen Medikamente Front machen. Sind sie ja erstens sehr viel preiswerter als die von der Schulmedizin entwickelten, zweitens vielleicht noch dazu wirksamer; sanfter ja sowieso. Wobei ich denke, daß jene Medikamente keiner Gefahr ausgesetzt sind, nicht anerkannt zu werden. Also zieht sich das Gesundheitsministerium auf den Standpunkt zurück, die Ärzte sollen gefälligst die Nachahmerpräparate verordnen und nicht die teureren Originalprodukte. Nun, jeder Arzt weiß, daß dies nicht immer der richtige Weg ist: Wie häufig verordnen wir Billiganbieter beispielsweise bei Antibiotika, die ja relativ teuer sind und müssen nicht selten erfahren, daß diese von Patienten schlecht vertragen und dann abgesetzt werden müssen . Nach Absetzung dieser Generika kehrt man dann doch auf das altbewährte Medikament zurück und liegt dann erst recht mit den Kosten hoch. Noch einmal: Eine Liste muß her, die bestimmt, dieses und jenes Medikament wird nicht von der Krankenkasse übernommen und darf nicht vom Arzt rezeptiert werden! Nur so kommen wir aus der Ausgabenspirale heraus: im Moment kostet unter Umständen das Besorgen eines eher unwirksamen Medikamentes drei Besuche bei verschiedenen Ärzten (inklusive deren Honorar = 50-80.-DM pro Patient, wie wir ja in meinen Kommentaren gelernt haben), also wird der Preis zusätzlich durch Ärztehopping vervielfacht. Nun, das ist noch ein Gedankenspiel! Nur in seltenen Fällen verhält sich der Patient so, obwohl das Zurücknehmen der Medikamentenzuzahlung dieses Vorgehen eher begünstigt.- Aber es ist unwürdig, die Qualität eines Arztes mit davon abhängig zu machen: verschreibt er großzügig oder eher knickerig? Oder - durchaus auch nicht fern der Realität - schreibt er gerne krank oder eher nicht? Auf diesem Gebiet lauert viel Zündstoff. Beide führen zu unärztlichem Verhalten! Der freie Beruf wird korrumpiert und setzt uns Ärzten unliebsamen Zwängen aus. Eines muß aber klar sein: Wenn an Medikamenten eingespart werden soll, dann spürt dies nicht der Arzt, sondern der Patient. Natürlich sind 16 % Ausgabensteigerung kein Pappenstiel! Hier muß genau analysiert werden! Im Zeitalter der Datenverarbeitung auch in den Praxen sollte dies möglich sein. Erst dann kann man dem Übel begegnen! Im Moment werden nur diffuse Schuldzuweisungen hervorgebracht. Die Kassen monieren das deutlich erhöhte Ausgabenniveau bei Medikamenten (wobei die Orientierungswerte des Budgets aus dem Jahre 1992 stammen) Die Ärzte führen die Mehrwertsteuer, den Wegfall der Zuzahlungen und die starke Grippewelle im Frühjahr 1999 ins Feld, außerdem natürlich Neuentwicklungen an Medikamenten, die man den Patienten nicht vorenthalten dürfe. |