Motorische Entwicklung


Zahnen und Fieber |Durchfall | Durchfallbehandlung | Motorische Entwicklung


Motorische Entwicklung des Säuglings

Im Gegensatz zur sprachlichen Entwicklung vollzieht sich die motorische Entwicklung beim Säugling in doch ziemlich enger zeitlicher Gesetzmäßigkeit. Als wichtige motorische Leistungen können grob gelten: Im Alter von drei Monaten Stütz auf den Unterarm, beginnende Hand- Mund- Koordination, was gerne als beginnendes Zahnen fehlgedeutet wird.

Handabstütz mit etwa 6 Monaten, in diesem Alter auch sicheres und zielgerichtes Greifen mit beiden Händen. Um den 6. Monat beginnendes Körperdrehen vom Rücken auf dem Bauch und umgekehrt, um den 7. und 8. Monat herum Robben um die eigene Achse, nach vorne und nach hinten. Mit etwa 9-10 Monaten treten dann die wichtigen motorischen Meilensteine wie Krabbeln, Stehen, Entlanghangeln an den Möbelstücken und freies Sitzen auf. Gerade das Sitzen wird von vielen Eltern zu früh bei ihren Kindern erwartet. Etwa 60-70 % aller Säuglinge können bei ihrem ersten Geburtstag frei laufen.

Der Zeitraum des freien Laufens variiert zwischen 10 (sehr früh) Monaten und 15 Monaten. Alle Kinder, die später das freie Laufen erlernen, sollten genauer untersucht werden, aber auch hier kann es sich um eine ganz normale Entwicklung handeln. Wenige Kinder können erst mit 18 Monaten frei laufen, hier sind bereits Besonderheiten der individuellen motorischen Entwicklung zu registrieren. Die motorische Entwicklung wird natürlich von der zunehmenden Reifung des Gehirns gesteuert. Deswegen gibt es auch Kinder, die lange Wochen in Gips gelegen sind und doch schnell alle versäumten motorischen Funktionen nachgeholt haben. Die Reifung des Gehirns - d.h. das Aussprossen der Synapsen - diktiert mehr oder weniger das motorische Entwicklungstempo. Und trotzdem gibt es entwicklungsmotorisch hemmende Einflüsse, die man durchaus beherzigen sollte: Da ist zum Beispiel der Stubenwagen, ein meinetwegen altehrwürdiges, aber häufig zu enges und dunkles Familienmobiliar, welches sich durchaus negativ auf die psychomotorische Entwicklung des kleinen Säuglings auswirken kann.

Diese Kinder sind häufig unbeweglich, haben eine bevorzugte Haltungslage, sind, da die Umgebung nicht abwechslungsreich sich darstellt, sehr bewegungsträge und auch mental eher unterfordert. Nicht umsonst wurden die Panorama-Kinderwägen geschaffen, um dem Säugling - vielleicht auch wieder etwas zu viele - visuelle Eindrücke zu vermitteln. Auch die so beliebten Wippen sind durchaus Bewegungshemmer: ein zu langes Verweilen in diesen Sitzeinrichtungen kann sich durchaus auf die freie Bewegungsvielfalt des jungen Säuglings negativ auswirken. Laufställe
Verpönt sollten sein die sogenannten Laufhilfen, Gehschulen, Gehfrei und wie sie alle heißen. In den USA sind diese Hilfsmittel verboten, da sie zu ernsten Unfällen geführt haben.
Die Abbildung rechts der gestapelten Gehhilfen entstammt der
Beilage zum Kinder- und Jugendarzt 6/ 2002: Unfälle und Unfallprophylaxe im Kindesaltersiehe auch unter Schädel- Hirn- Trauma
Sie sind auch aus entwicklungsmotorischer Sicht von Übel, da nicht selten hartnäckige Spitzfußhaltungen sich entwickeln, die lange Zeit bestehen bleiben können. Und Spitzfußtendenzen sind immer verdächtig auf minimale zerebrale Schädigungen des Gehirns, die eine minimale Spastik (=Versteifung der Füße) vortäuschen können. Erfährt man also von einem Kind, das sich lange Zeit mit Hilfe dieser Gehhilfen bewegt hat, wird diese Spitzfußtendenz der Beine aus einem anderen harmloseren Blickwinkel betrachtet werden dürfen. Auch mit dem zu frühen Hinsetzen der Säuglinge hat es so seine Besonderheit:

Wie häufig erleben wir Kinder, die, früh- bzw. vorzeitig hingesetzt, wie kleine Herrscher thronen, alles visuell im Griff haben, sehr angenehm für die Betreuer sind, sehr zufrieden, da ja alles von Geschwistern oder Betreuungspersonen angeschafft wird. Trotzdem kommen diese zum künstlichen Sitzen aufgestellten Säuglingen motorisch zu kurz und versäumen nicht selten die wichtige Phase des Krabbelns. Wohlgemerkt: ein gesundes Kind kann durch keine äußere Manipulation in seiner motorischen Entwicklung entscheidend gehemmt werden. 

Es sei denn, alle Anregungen der Umwelt fehlen: Dies gilt z.B. für das sozial deprivierte (geschädigte) Kind oder auch- aktuellerweise- für das Kriegskind. Wobei hier die Defizite vorwiegend im mentalen und emotionalen Bereich liegen dürften.